WWRE
Die WWRE (World Wide Retail Exchange) war ein internationaler, konsortialer B2B-Marktplatz, der von führenden globalen Einzelhandelsunternehmen, darunter Edeka und Rewe, gegründet wurde. Die Plattform diente als zentrale, elektronische Drehscheibe zur Automatisierung und Standardisierung von Beschaffungs-, Logistik- und Kollaborationsprozessen zwischen den Handelsketten und ihren weltweiten Lieferanten.
WWRE (World Wide Retail Exchange) – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte
Die Gründung der WWRE war eine strategische organisatorische Reaktion der großen Handelsunternehmen auf die Notwendigkeit, ihre komplexen, oft national oder regional fragmentierten Lieferketten mittels Internet-Technologien zu integrieren. Als direkter Konkurrent des GNX (GlobalNetXchange) zielte die WWRE darauf ab, die kollektive Marktmacht ihrer Mitglieder zu nutzen, um Effizienzgewinne zu erzielen, Prozesskosten zu senken und die Bestandsführung zu optimieren.
Organisatorische Struktur und Kooperationsziele
Die WWRE operierte als ein von den Mitgliedsunternehmen gemeinsam kontrollierter, unabhängiger Marktplatz. Dies gewährleistete, dass die Plattform die spezifischen organisatorischen Anforderungen des Einzelhandels erfüllte:
- Gemeinsame Beschaffung (E-Sourcing): Ein Hauptziel war die Bündelung der Einkaufsmacht der Mitgliedshäuser (z.B. für Non-Food-Artikel, Dienstleistungen oder Rohstoffe). Dies wurde durch die technische Durchführung von E-Auktionen (Reverse Auctions) und die Konsolidierung von Ausschreibungen über die Plattform erreicht, was zu besseren Konditionen und niedrigeren Total Cost of Ownership (TCO) führte.
- Supply Chain Transparenz: Organisatorisch legte die WWRE den Fokus auf die Verbesserung der Kooperation mit den Herstellern von verpackten Konsumgütern (CPG). Sie förderte die Einführung von Prozessen wie Collaborative Planning, Forecasting, and Replenishment (CPFR), um die Bestandsrisiken in der gesamten Kette zu minimieren.
- Standardisierung: Die WWRE war ein wichtiger organisatorischer Akteur bei der Standardisierung von Geschäftsdokumenten und Nachrichtenformaten. Ziel war es, die bilaterale Integration durch die Nutzung eines gemeinsamen Standards zu ersetzen.
- Datenqualität: Die Plattform unterstützte die organisatorische Notwendigkeit, Stammdaten (basierend auf GTIN) konsistent zu halten, was die Basis für korrekte Bestellungen und Lieferungen ist.
Technische Implementierung und E-Business-Funktionen
Die technische Plattform der WWRE bot eine breite Palette an E-Business-Services, die in die ERP- und Warenwirtschaftssysteme der Mitglieder integriert werden mussten:
- EDI- und XML-Integration: Die technische Infrastruktur musste in der Lage sein, die Legacy-EDI-Formate (wie EDIFACT oder ANSI X.12) der Lieferanten zu empfangen und in die internen Systeme der Handelsketten zu konvertieren. Gleichzeitig unterstützte die WWRE die neueren, internetbasierten XML-Standards, um eine größere Flexibilität und Reichweite zu erzielen.
- Katalog-Management: Die Plattform bot technische Services zur zentralen Verwaltung und Synchronisation von Produktkatalogen. Lieferanten konnten ihre Artikeldaten (inklusive GTIN, Preis und Logistikdaten) auf einer zentralen Stelle pflegen.
- Kollaborations-Tools: Technisch wurden spezielle Module zur gemeinsamen Prognoseerstellung und zum Abgleich von Aktionsplänen integriert. Diese Tools ermöglichten den Partnern, gemeinsam auf Nachfrageschwankungen zu reagieren und den sogenannten Bullwhip-Effekt zu reduzieren.
- Sichere Kommunikation: Aufgrund der Übertragung von sensiblen Preis- und Einkaufsdaten wurde der gesamte Datenverkehr über gesicherte Protokolle (z.B. HTTPS/SSL/TLS) abgewickelt, um die Vertraulichkeit zu gewährleisten.
Die WWRE fusionierte später mit dem Konkurrenten GNX zur GCI (Global Commerce Initiative), um die Kräfte im globalen Kampf um Standards zu bündeln und die organisatorische und technische Fragmentierung zu reduzieren.
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