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VMI

VMI steht für Vendor Managed Inventory (lieferantengesteuerter Bestand) und beschreibt eine fortschrittliche logistische Kooperationsform, bei der der Lieferant (Vendor) die Verantwortung für die Bestandsführung und -auffüllung der vereinbarten Produkte übernimmt, die sich physisch in den Lagerräumen des Kunden befinden.

Technische Aspekte von VMI

Die technische Implementierung von VMI basiert auf einer nahtlosen und automatisierten Informationsübertragung zwischen den Systemen des Lieferanten und des Kunden, was die Grundlage für die Bestandssteuerung bildet.

Wesentliche technische Komponenten sind:

  • Elektronischer Datenaustausch (EDI): Der technische Kern ist der standardisierte, automatisierte Austausch von Bestands- und Verbrauchsdaten. Der Kunde übermittelt dem Lieferanten regelmäßig und in Echtzeit Daten über den aktuellen Lagerbestand, den tatsächlichen Verbrauch und die zukünftigen Bedarfsprognosen (oft als EDI 852 Product Activity Data).
  • Bestandssichtbarkeit und Transparenz: Der Lieferant muss über sein eigenes System (ERP/WMS) technisch in der Lage sein, die beim Kunden gelagerten Bestände einzusehen, als wären es seine eigenen. Dies erfordert eine sichere und verschlüsselte Kommunikationsschnittstelle, die eine hohe Datenintegrität gewährleistet.
  • Automatisierte Bestellgenerierung: Beim Lieferanten löst das System automatisch Bestellungen aus, sobald der gemeldete Bestand des Kunden einen vertraglich definierten Meldebestand (Reorder Point) unterschreitet. Die technische Berechnung nutzt vordefinierte Parameter wie den Sicherheitsbestand und die optimale Bestellmenge.
  • Lagerkennzeichnung und Scantechnik: Beim Kunden muss die Lagerfläche technisch so ausgestattet sein, dass die Bestände eindeutig identifizierbar sind. Dies geschieht durch Barcodes oder RFID-Tags auf den Lagerplätzen und den Einsatz von Scantechnik, um die Verbräuche und Bestände präzise zu erfassen und zu melden. [Image of a data flow diagram for Vendor Managed Inventory (VMI)]

Die technische Herausforderung liegt in der Schaffung einer hochverfügbaren, standardisierten und sicheren Schnittstelle zwischen den IT-Systemen zweier unabhängiger Unternehmen.

Organisatorische und Wirtschaftliche Aspekte

Die Einführung von VMI ist eine strategische, organisatorische Entscheidung zur Verschiebung von Aufgaben und Risiken, die zu beidseitigen wirtschaftlichen Vorteilen führen soll.

Schwerpunkte der Organisation sind:

  • Verschiebung der Bestellverantwortung: Organisatorisch entlastet VMI den Einkauf des Kunden vollständig von der Routinebestellung der VMI-Artikel. Die Verantwortung für die Organisation des Auffüllprozesses liegt beim Lieferanten.
  • Reduzierung von Out-of-Stock-Situationen: Da der Lieferant direkt die Verbrauchsdaten sieht, kann er organisatorisch proaktiv Nachschub liefern, bevor ein kritischer Bestand erreicht wird. Dies reduziert Fehlbestände und die damit verbundenen Produktionsausfälle oder Lieferverzögerungen beim Kunden.
  • Optimierung der Lieferzyklen: Der Lieferant kann seine Lieferungen bündeln und optimieren, da er nicht auf individuelle, oft eilige Bestellungen des Kunden reagieren muss. Dies führt zu größeren, wirtschaftlicheren Lieferlosen und reduziert die Transportkosten und den administrativen Aufwand.
  • Konsignationslager (optional): Organisatorisch kann VMI mit einem Konsignationslager kombiniert werden. In diesem Fall geht das Eigentum an der Ware erst auf den Kunden über, wenn er die Ware physisch aus dem Lager entnimmt (Verbrauch), was die Kapitalbindung des Kunden reduziert.

VMI dient somit der Optimierung der gesamten Lieferkette durch verbesserte Transparenz, reduzierte Lagerkosten (durch optimierten Bestand) und höhere Liefersicherheit.



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