Verschieberegal
Ein Verschieberegal ist ein hochverdichtetes Lagersystem, bei dem die Regaleinheiten auf schienengebundenen, motorisierten Verfahrwagen montiert sind, um die Anzahl der festen Bediengänge zu minimieren und die Lagerfläche optimal auszunutzen.
Technische Aspekte des Verschieberegals
Die technische Konzeption des Verschieberegalsystems ist darauf ausgerichtet, eine maximale Lagerdichte bei gleichzeitigem, bedarfsgerechtem Zugriff auf jede Lagereinheit zu gewährleisten. Das System basiert auf einer mechanischen und elektrotechnischen Infrastruktur, die hohe Lasten präzise bewegen kann.
Wesentliche technische Komponenten und Merkmale sind:
- Regalkonstruktion: Es werden in der Regel Paletten- oder Fachbodenregale verwendet, wobei die Regale als komplette Einheiten (oft als Doppelregale Rücken an Rücken) fest auf den mobilen Unterbauten montiert sind. Die Konstruktion muss extrem stabil und steif sein, um die dynamischen Belastungen während des Verfahrprozesses zu absorbieren.
- Verfahrwagen (Mobile Bases): Dies sind die Kernelemente des Systems. Sie bestehen aus stabilen Stahlrahmen mit integrierten Fahrwerken, die auf präzise installierten Bodenschienen laufen. Die Schienen sind in den Hallenboden eingelassen, um eine ebene Fläche für Flurförderzeuge zu gewährleisten.
- Antriebstechnik und Steuerung: Die Bewegung der Verfahrwagen erfolgt über leistungsstarke Elektromotoren und Getriebe, die über Zahnrad- oder Kettenantriebe die Lasten bewegen. Die Steuerung erfolgt meist über eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS). Der Bediener initiiert die Öffnung des benötigten Ganges über eine Steuerung am Regal, per Funkfernbedienung oder über das Lagerverwaltungssystem (WMS).
- Sicherheitssensorik: Technisch sind Verschieberegale mit umfassenden Sicherheitseinrichtungen ausgestattet. Dazu gehören Lichtschranken, Not-Aus-Taster, akustische und optische Warnsignale sowie Personenschutzmatten. Diese Sensoren gewährleisten, dass sich Personen oder Flurförderzeuge im Gang befinden, bevor der Verfahrvorgang startet, und stoppen die Bewegung sofort bei einer Aktivierung.
Die technische Komplexität erfordert eine hohe Präzision bei der Installation und Wartung, um die Langlebigkeit und Betriebssicherheit zu gewährleisten.
Organisatorische und Wirtschaftliche Aspekte
Die Entscheidung für den Einsatz von Verschieberegalen ist primär eine organisatorische und wirtschaftliche Abwägung, um die Lagerflächenproduktivität zu maximieren.
Schwerpunkte der Organisation sind:
- Flächeneffizienz: Der größte organisatorische Vorteil ist die immense Lagerverdichtung. Es wird nur ein Bediengang für mehrere Regalreihen benötigt, was im Vergleich zu konventionellen Regalanlagen die Lagerfläche um bis zu 80% verdichten kann. Dies ist besonders relevant bei teuren Immobilien oder Kühlhäusern, wo die Reduzierung des zu klimatisierenden Volumens hohe Energiekosteneinsparungen mit sich bringt.
- Zugriffsorganisation: Organisatorisch muss der Zugriff geplant werden. Da immer nur ein Gang gleichzeitig geöffnet werden kann, eignen sich Verschieberegale am besten für Güter mit geringer Zugriffshäufigkeit (niedriger Umschlag), da häufiges Öffnen und Schließen die Zugriffszeit pro Artikel erhöht.
- Materialflussprozesse: Die Lagerorganisation muss sicherstellen, dass die Bediengänge effizient genutzt werden. Die Lagerplätze werden oft nach dem ABC-Prinzip organisiert, wobei A-Güter (hoher Umschlag) in leicht zugänglichen, konventionellen Regalen gelagert werden und C-Güter (niedriger Umschlag) im Verschieberegal.
- Instandhaltung: Organisatorisch muss ein Wartungsplan für die komplexen Fahrwerke, Motoren und Sicherheitssensoren etabliert werden, um die hohe Verfügbarkeit des Systems zu garantieren.
Verschieberegale bieten somit eine hervorragende Lösung für die Lagerung von Archivgütern, Ersatzteilen oder Tiefkühlprodukten, bei denen die Raumnutzung Vorrang vor einer schnellen Kommissionierleistung hat.
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