Verkaufseinheit (VKE)
Die Verkaufseinheit (VKE) ist eine definierte, standardisierte Zusammenfassung von Artikeleinheiten (Konsumeinheiten) zu einer verkaufsfähigen, logistischen Einheit. Sie bildet die kleinste oder häufigste Einheit, in der ein Produkt vom Unternehmen an den Handel oder direkt an den Endkunden abgesetzt, kommissioniert und fakturiert wird. Die Festlegung der VKE ist eine strategische Entscheidung, die Marketing- und Logistikanforderungen vereint.
Organisatorische und Marketing-Aspekte
Organisatorisch ist die VKE ein Schlüsselparameter, der die Effizienz im Vertrieb und die Kosten in der Distributionslogistik maßgeblich beeinflusst, während sie gleichzeitig die Kaufentscheidung des Endkunden steuert.
- Vertriebsstrategie und Preisgestaltung: Die VKE ist die Basis für die Preisberechnung. Die sinnvolle Bildung (z.B. 6er-Pack, 12er-Karton) zielt darauf ab, einen optimalen Verkaufspreis zu erzielen und den Kaufanreiz zu erhöhen (Bundling-Effekt). Fehlende VKE-Bildung kann zu unverhältnismäßig hohen TUL-Kosten pro Artikeleinheit führen.
- Einheiten-Hierarchie: Im logistischen System bildet die VKE oft die Handelspackung (Umverpackung), die zwischen der Konsumeinheit (Primärverpackung) und der Ladeeinheit (Palette) angesiedelt ist. Die Verpackungseinheit (VE) ist häufig identisch mit der VKE, muss es aber nicht sein.
- Aufriss von VKEs: Organisatorisch stellt die Handhabung von VKEs, die aufgerissen werden müssen, um einzelne Artikeleinheiten zu verkaufen (sog. Split-Case-Picking), eine Herausforderung dar. Dies erhöht die Komplexität der Kommissionierung und senkt die Kommissionierleistung, ist aber aus marketing- oder kundenwunschbedingten Gründen manchmal unvermeidlich.
- Wiederverwendbarkeit: Eine gut gestaltete VKE sollte funktional sein, d.h., sie sollte optimal auf die Regalplatzbreite im Handel und die Handhabung im Distributionszentrum abgestimmt sein.
Technische Aspekte und Logistiksteuerung
Technisch ist die VKE eine entscheidende Größe für die Systemunterstützung in der Logistikkette, insbesondere im Lagerverwaltungssystem (LVS) und in der Identifikation.
- Eindeutige Kennzeichnung: Die VKE muss technisch eindeutig identifizierbar sein. Sie trägt eine eigene Global Trade Item Number (GTIN), die sich von der GTIN der einzelnen Artikeleinheit unterscheidet. Diese GTIN wird in Form eines EAN-Barcodes auf die Verpackung aufgebracht und dient als primäres Scankriterium im Wareneingang und bei der Kommissionierung.
- Lagerhaltung im LVS: Das LVS führt den Bestand oft in mehreren Dimensionen (VKE und Artikeleinheit). Die Umrechnung zwischen den Einheiten (Umrechnungsfaktor) muss technisch exakt hinterlegt sein. Die Lagerplatzzuordnung kann auch nach VKE erfolgen, um das Bestandsmanagement zu vereinfachen.
- Kommissionierstrategie: Die VKE bestimmt die Art der Kommissionierzone. Bei Verkauf ganzer VKEs wird oft die Paletten- oder Kartonkommissionierung angewendet, während der Verkauf von Einzeleinheiten den Einsatz von Pick-by-Light oder AKL (Automatischen Kleinteilelagern) für das Split-Case-Picking erfordert. Dies beeinflusst die benötigte Fördertechnik.
- Transportoptimierung: Die VKE sollte in der Regel so dimensioniert sein, dass eine gute Stapelbarkeit und optimale Auslastung der Palette und des Transportmittels (LKW, Container) erreicht wird, was die Transportkosten pro Artikeleinheit minimiert.
Die VKE bildet somit die Brücke zwischen den Anforderungen des Marktes und der Effizienz der internen Logistikprozesse.
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