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Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit (V oder A für engl. Availability) ist eine zentrale technische Kennzahl in der Zuverlässigkeits- und Instandhaltungstechnik, die die Wahrscheinlichkeit angibt, ein technisches Element (z.B. ein Sensor, ein Motor) oder ein gesamtes System (z.B. ein Lagerverwaltungssystem (LVS), eine Förderanlage) zu einem beliebigen Zeitpunkt in einem funktionsfähigen und einsatzbereiten Zustand anzutreffen. Sie stellt somit ein direktes Maß für die Einsatzbereitschaft des Systems dar, wie sie in Richtlinien wie VDI 3581 und 3649 definiert wird.

Technische Aspekte der Berechnung

Die Verfügbarkeit verknüpft die zeitlichen Kenngrößen der Zuverlässigkeit (Einsatzzeit) und der Instandhaltbarkeit (Ausfallzeit) mathematisch. Sie ist definiert als das Verhältnis der Gesamtbetriebszeit zur Summe aus Betriebszeit und Ausfallzeit über einen Beobachtungszeitraum. Technisch wird die Verfügbarkeit oft über die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen (MTBF) und die mittlere Zeit bis zur Wiederherstellung (MTTR) ausgedrückt.

  • MTBF (Mean Time Between Failures): Die mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen ist eine Kennzahl der Zuverlässigkeit. Sie gibt die durchschnittliche Zeit an, in der ein System störungsfrei arbeitet. Eine höhere MTBF erhöht die Verfügbarkeit.
  • MTTR (Mean Time To Repair): Die mittlere Zeit bis zur Wiederherstellung (oder Reparatur) ist eine Kennzahl der Instandhaltbarkeit. Sie umfasst die Zeit von der Fehlerdiagnose über die Reparatur bis zur Wiederinbetriebnahme des Systems. Eine niedrigere MTTR erhöht die Verfügbarkeit.
  • Verfügbarkeitsklassen: Je nach Anforderungen an die Betriebssicherheit werden verschiedene Verfügbarkeitsgrade (oft in Form von „Neunen“ ausgedrückt, z.B. 99,999 %) angestrebt, insbesondere bei kritischen Systemen wie der IT-Infrastruktur oder im Transitsystem von Flughäfen.
  • Redundanz: Technisch kann die Verfügbarkeit durch den Einsatz von redundanten Systemen gesteigert werden. Fällt eine Komponente aus, übernimmt sofort eine Ersatzkomponente (Parallelredundanz) ohne Erhöhung der MTTR.

Organisatorische Aspekte und Logistikrelevanz

Organisatorisch ist die Verfügbarkeit ein primärer Indikator für die Prozesssicherheit und die Servicequalität (Service Level) in der Logistik, da sie direkt mit der Umschlagleistung und der Termintreue zusammenhängt.

  • Wartungsplanung: Zur Maximierung der Verfügbarkeit muss die Instandhaltung von einer reaktiven (Reparatur nach Ausfall) zu einer proaktiven/präventiven Wartungsstrategie übergehen. Organisatorisch werden Wartungsarbeiten in die geplante Stillstandszeit (z.B. außerhalb der Schichtzeiten) verlegt, um die ungeplanten Ausfallzeiten zu minimieren.
  • Auswirkungen auf die Logistikkette: Ein geringer Verfügbarkeitsgrad von Schlüsselelementen (z.B. Regalbediengeräten (RBG) im AKL oder der Sortieranlage) kann einen Engpass im Materialfluss darstellen. Dies reduziert die Umschlagleistung und kann die gesamte Transportkette verzögern.
  • Bestandsplanung: Die organisatorische Planung des Sicherheitsbestandes wird durch die Verfügbarkeit des Produktions- oder Logistiksystems beeinflusst. Eine geringe Verfügbarkeit (hohes Ausfallrisiko) der eigenen Anlage erfordert höhere Sicherheitsbestände an Material, um die Produktionsfähigkeit zu sichern.
  • Service Level Agreements (SLAs): Im Rahmen der Überbetrieblichen Logistik ist die Verfügbarkeit der IT-Systeme (z.B. des LVS) oft vertraglich im SLA mit dem Kunden festgeschrieben. Eine Unterschreitung führt zu Pönalen (Vertragsstrafen).

Die Verfügbarkeit ist somit die Brücke zwischen Technik und ökonomischer Performance.



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