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Verbrauchsorientiert

Verbrauchsorientiert ist ein strategisches Prinzip in der Materialwirtschaft und Bestandsführung, bei dem die Festlegung des zukünftigen Bedarfs und damit die Steuerung des Lagerbestandes (z.B. Bestellmenge, Bestellzeitpunkt) primär auf der Analyse und Fortschreibung von historischen Verbrauchswerten basiert. Es handelt sich um ein vergangenheitsorientiertes Prognoseverfahren, das die Grundlage für verschiedene Bestellpunktverfahren bildet.

Technische Aspekte der Prognose und Steuerung

Die technische Umsetzung der verbrauchsorientierten Steuerung basiert auf der Anwendung statistischer Methoden zur Glättung und Analyse der Vergangenheitsdaten, um eine möglichst präzise, wenn auch vereinfachte, Vorhersage des zukünftigen Bedarfs zu treffen.

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  • Datengrundlage und Glättung: Die Basis bilden die erfassten Verbrauchswerte (Mengen) über einen definierten Zeitraum (z.B. die letzten 12 Monate). Technisch werden diese Daten mithilfe von Prognosemodellen analysiert:
    • Gleitender Mittelwert: Zur Glättung kurzfristiger, zufälliger Schwankungen. Der Mittelwert wird über die letzten n Perioden neu berechnet.
    • Exponentielle Glättung: Weist den jüngsten Verbrauchswerten eine höhere gewichtete Relevanz zu als älteren, was eine schnellere Reaktion auf Bedarfsänderungen ermöglicht.
    • Berücksichtigung von Schwankungen: Die Standardabweichung σ des Verbrauchs wird technisch berechnet, um den notwendigen Sicherheitsbestand zu definieren.
  • Steuerungsverfahren: Die verbrauchsorientierte Planung steuert die Bestellprozesse über Bestellpunktverfahren, die technisch im Lagerverwaltungssystem (LVS) oder ERP-System hinterlegt sind:
    • Meldebestandsverfahren (s, S-Politik): Beim Unterschreiten eines definierten Meldebestandes s wird eine Bestellung ausgelöst, die den Bestand auf den Soll-Bestand S auffüllt.
    • Zwei-Behälter-System (Kanban): Eine vereinfachte, visuelle Form, bei der der Verbrauch eines Behälters das Signal zur Bereitstellung des nächsten Behälters darstellt.
  • Technische Eignung: Das Prinzip ist technisch ideal für X-Artikel (konstanter Verbrauch) und C-Artikel (geringer Wert) der ABC/XYZ-Analyse, da hier die Kosten-Nutzen-Relation für komplexe, bedarfsgesteuerte Verfahren (wie die Deterministische Bedarfsplanung) nicht gegeben ist.

Organisatorische Aspekte und Einschränkungen

Organisatorisch ist die verbrauchsorientierte Steuerung unkompliziert und ressourcenschonend, stößt jedoch bei strategischen Veränderungen und komplexen Produkten an ihre Grenzen.

  • Einfachheit und Automatisierung: Die organisatorische Durchführung ist einfach, da sie größtenteils im System automatisiert ablaufen kann. Dies reduziert den administrativen Aufwand im Einkauf und in der Materialwirtschaft.
  • Abhängigkeit von der Vergangenheit: Die zentrale organisatorische Schwäche ist, dass sie keine zukünftigen Ereignisse (z.B. Markteinführung neuer Produkte, Wegfall von Märkten, strategische Kundenaufträge) berücksichtigt. Sie ist daher für unregelmäßig verbrauchte Z-Artikel oder teure A-Artikel mit strategischer Bedeutung ungeeignet.
  • Logistik-Optimierung: Organisatorisch ermöglicht das Verfahren die Optimierung der Bestellparameter (Bestellmenge, Bestellzyklus) zur Minimierung der Bestellkosten und Lagerhaltungskosten (siehe Andler-Formel).
  • Informationsfluss: Für eine reibungslose Bereitstellung muss der Informationsfluss zwischen Lager (Verbrauchserfassung) und Einkauf (Bestellauslösung) technisch und organisatorisch eng getaktet sein.

Die verbrauchsorientierte Steuerung bietet eine effiziente Lösung für die Massenartikel mit stabilem Absatzprofil.



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