Unterflur-Schleppkreisförderer
Ein Unterflur-Schleppkreisförderer (auch Schleppkettenförderer oder Towline Conveyor) ist ein stationäres, kontinuierliches Bodenfördersystem, bei dem eine Zugkette in einem unter dem Fußboden versenkten Schlitz oder Kanal verläuft. Transportwagen (meist Paletten- oder Rollwagen) werden durch einen herabgelassenen Stift oder Bolzen in diese Kette eingehakt und so entlang einer definierten Bahn zu verschiedenen Stationen im Lager oder in der Produktion transportiert.
Technische Aspekte und Aufbau
Die technische Funktionalität des Unterflur-Schleppkreisförderers basiert auf der verdeckten, bodenebenen Zugmechanik, die einen hohen Grad an Flexibilität und die Nutzung der Bodenfläche für andere Zwecke ermöglicht.
- Zugmechanismus und Kette: Das Herzstück ist eine endlos umlaufende Zugkette (meist eine Kette mit Rollen), die in einem präzise definierten, in den Hallenboden eingelassenen Kanal verläuft. Der Antrieb erfolgt über einen oder mehrere Antriebsstationen mit Elektromotoren und Untersetzungsgetrieben, die die Kette mit einer konstanten oder variablen, aber in der Regel langsamen Geschwindigkeit bewegen (z.B. 0,1 bis 1,0 m/s).
- Transportwagen und Mitnahmeelemente: Die Transportwagen sind in der Regel nicht angetrieben und verfügen an ihrer Unterseite über ein Mitnahmeelement (Mitnehmerbolzen oder Schleppstift). Dieses wird manuell oder automatisch in den Kettenschlitz gesenkt und greift in die umlaufende Kette ein, wodurch der Wagen mitgeschleppt wird.
- Kupplungs- und Auskupplungstechnik: Die Wagen können an Arbeitsstationen oder Zwischenlagern automatisch oder manuell aus der Kette ausgekuppelt werden. Dies geschieht durch Anheben des Mitnehmerbolzens. Die Wagen können dann manuell verschoben oder geparkt werden, bis sie für den Weitertransport wieder in die Kette eingehakt werden.
- Streckenführung und Weichen: Das System erlaubt eine variable Streckenführung mit Kurven und Weichen. Weichen werden automatisch durch Sensoren gesteuert, die anhand der Wagen-ID (z.B. Barcode oder RFID) im Lagerverwaltungssystem (LVS) die Zielstation identifizieren.
- Kapazität und Last: Unterflur-Schleppkreisförderer sind technisch für den Transport schwerer und großer Transporteinheiten (z.B. Paletten oder große Behälter) mit Tragfähigkeiten von mehreren Tonnen ausgelegt.
Organisatorische Aspekte und Einsatzbereiche
Organisatorisch bieten diese Systeme eine hohe Flexibilität im Materialfluss bei gleichzeitiger Freihaltung der Arbeits- und Verkehrsflächen.
- Flächeneffizienz und Sicherheit: Da die Zugkette unterflur verläuft, bleibt die Bodenfläche frei von stationären Förderanlagen. Dies verbessert die Arbeitssicherheit und ermöglicht die ungehinderte Nutzung von Flurförderzeugen (z.B. Gabelstaplern) quer zur Förderbahn.
- Einsatz in der Fertigungs- und Distributionslogistik: Organisatorisch werden sie häufig in Montage- und Fertigungsstraßen zur Taktung der Produktion oder in großen Distributionszentren zur Verbindung von Wareneingang, Lager und Warenausgang eingesetzt. Sie dienen der Bereitstellung von Material und der Abfuhr von Fertigware.
- Puffer- und Sortierfunktion: Durch das gezielte Auskuppeln und Parken an Zwischenstationen kann der Schleppkreisförderer als Pufferspeicher und als Sortiersystem fungieren, indem er Waren zu verschiedenen Zielen im Transportnetz leitet.
- Kosten und Wartung: Die anfänglichen Installationskosten sind durch die Bodenarbeiten hoch. Organisatorisch ist eine regelmäßige Wartung der Kette und der Antriebe notwendig, um Ausfallzeiten im kontinuierlichen TUL-Prozess zu vermeiden.
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