Acél
Dr. Acél & Partner AG
Persönlich und individuell
Rufen Sie uns an:
+41 44 447 20 66

Umlaufregallager

Ein Umlaufregallager ist eine spezielle Art von automatisiertem Lagersystem und die physische Umsetzung der Umlaufkommissionierung. Dabei wird das gesamte Lagergut zusammen mit dem Lagergestell entweder horizontal (als Karusselllager) oder vertikal (als Paternoster-Regal) bewegt, um die benötigte Ware zur stationären Kommissionierstelle zu transportieren.

Technische Aspekte des Umlaufregallagers

Die technische Konzeption des Umlaufregallagers zielt darauf ab, die Lagerdichte und die Zugriffsgeschwindigkeit signifikant zu erhöhen. Es handelt sich um ein mechatronisches System, dessen Effizienz von der Präzision der Antriebs- und Steuerungstechnik abhängt.

  • Bauweise und Bewegung:
    • Paternoster-Regal (Vertikal): Die Lagergestelle sind an einer vertikal umlaufenden Kette befestigt. Die Anforderung des Lagerverwaltungssystems (LVS) bewirkt eine vertikale Bewegung, bis der gewünschte Behälter an der Entnahmeöffnung in Greifhöhe präsentiert wird. Dies maximiert die Ausnutzung der Bauhöhe.
    • Karusselllager (Horizontal): Die Lagergestelle bewegen sich horizontal auf einer Ovalbahn. Diese Bauform ist flexibler in Bezug auf die Höhe, erfordert jedoch eine größere Grundfläche als Paternoster-Regale.
  • Antriebs- und Steuerungstechnik: Die umlaufende Bewegung wird durch leistungsstarke Servomotoren oder Frequenzumrichter angetrieben, die eine präzise Positionierung (Stoppgenauigkeit) der Lagerfächer an der Entnahmeöffnung gewährleisten müssen. Die Kommunikation zwischen der Hardware und dem LVS ist mittels Bussystemen realisiert.
  • Schnittstelle zur Kommissionierung: Die Entnahmeöffnung ist die technische Schnittstelle zum Bediener. Sie ist ergonomisch optimiert (Greifhöhe) und oft mit zusätzlichen technischen Hilfen wie Pick-by-Light-Displays ausgestattet, um die Fehlerquote bei der Kommissionierung zu minimieren.
  • Speichereinheiten: Umlaufregallager sind typischerweise auf standardisierte Behälter oder Trays ausgelegt. Die Fächer und die Tragfähigkeit sind exakt auf die maximale Last der Transporthilfsmittel (THM) abgestimmt.

Organisatorische Aspekte und Wirtschaftlichkeit

Organisatorisch ist die Einführung eines Umlaufregallagers eine strategische Entscheidung zur Senkung der Personalkosten und zur Optimierung des Service-Levels bei der Kleinteilelogistik.

  • Eliminierung der Wegzeit: Der größte organisatorische Vorteil ist die Eliminierung der Wegzeiten des Kommissionierers. Dies führt zu einer drastischen Steigerung der Kommissionierleistung und ermöglicht es dem Mitarbeiter, sich auf die eigentliche Pick-Tätigkeit zu konzentrieren.
  • Flächen- und Volumen-Effizienz: Insbesondere vertikale Paternoster-Systeme nutzen den kubischen Raum eines Lagers optimal aus und ermöglichen eine hohe Lagerdichte. Dies senkt die Lagerkosten pro Lagerplatz im Vergleich zu konventionellen Fachbodenregalen.
  • Bestandsführung und Inventur: Durch die geschlossene, überwachte Struktur der Lagergestelle und die systemgesteuerte Ein- und Auslagerung wird eine sehr hohe Bestandsgenauigkeit erreicht. Die Durchführung der Inventur kann oft systemgesteuert oder während des laufenden Betriebs (Zykluszählung) erfolgen.
  • Anwendungsbereich und Turn Rate: Umlaufregallager sind organisatorisch ideal für die Lagerung von Kleinteilen und Artikeln mit einer mittleren bis hohen Turn Rate (Umschlagshäufigkeit), bei denen der schnelle Zugriff und die hohe Pick-Rate wichtiger sind als die reine, massive Lagerkapazität. Sie finden sich häufig in der Ersatzteillogistik und in Versandeinrichtungen des E-Commerce.

Die Implementierung eines Umlaufregallagers erfordert eine präzise Abstimmung der TUL-Prozesse und eine hohe Investitionsbereitschaft.



zurück zur Übersicht