Umlagerungen
Umlagerungen in der Logistik beschreiben alle physischen Bewegungen von Lagereinheiten oder Gütern, die einen Wechsel des Lagerortes nach sich ziehen, ohne dass ein Kundenauftrag vorliegt. Organisatorisch werden sie hauptsächlich zur Optimierung der Lagerhaltung oder zur Durchführung von Nachschubprozessen initiiert.
Organisatorische Aspekte der Umlagerungen
Organisatorisch lassen sich Umlagerungen in zwei Hauptbedeutungen klassifizieren, die jeweils unterschiedliche logistische Ziele verfolgen und unterschiedliche Systeme erfordern:
- Intra-Lager-Umlagerung (Interne Bewegung):
Hierbei wird die Lagereinheit (z.B. eine Palette oder ein Behälter) von einem Stellplatz zu einem anderen innerhalb desselben Lagers bewegt. Dies dient primär der Optimierung der Lagerplatzbelegung oder der Vorbereitung von Kommissionierprozessen.
- Konsolidierung: Umlagerung von Teilmengen von verschiedenen Stellplätzen auf einen einzigen Platz, um Lagerraum freizugeben.
- Aufräumstrategien: Umlagerung innerhalb einer Lagergasse oder zwischen Gassen, um eine bessere Anordnung gemäß der ABC-Analyse zu erzielen (z.B. Schnelldreher in zugriffsnahe Zonen).
- Nachschub: Umlagerung von Paletten aus dem Reservelager in die Kommissionierzone (Pickzone), um die ständige Verfügbarkeit des Picken-Bestandes zu gewährleisten. Dies ist eine kritische, prozessgesteuerte Umlagerung.
- Inter-Lager-Umlagerung (Externe Bewegung):
Hierbei erfolgt ein Wechsel von einem Lager zu einem anderen (Werks- oder Standortwechsel). Diese Umlagerungen sind im Grunde interne Transportketten und dienen dem Ausgleich regionaler Bestandsunterschiede oder der Zentralisierung von Beständen. Ein wesentlicher Aspekt kann die Depalettierung oder die Neukonsolidierung der Transporteinheit sein, um sie für den Fernverkehr zu optimieren.
Technische Aspekte und Steuerung
Die Durchführung und Steuerung von Umlagerungen basiert technisch auf der Präzision des Lagerverwaltungssystems (LVS) und der Effizienz der eingesetzten Förder- und Flurfördertechnik.
- LVS-Steuerung: Die Steuerung der Umlagerungen erfolgt durch das LVS. Das System generiert Umlagerungsaufträge (Transportaufträge) entweder automatisch (z.B. bei Unterschreiten des Meldebestandes in der Kommissionierzone) oder manuell. Das LVS ist technisch dafür verantwortlich, die Ist-Stellplatzinformation in Echtzeit zu aktualisieren. Eine fehlerhafte Verbuchung (Phantom-Bestände) führt zu Störungen im TUL-Prozess.
- Automatisierungstechnik: In automatisierten Lagern werden Umlagerungen von Regalbediengeräten (RBG) oder Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) durchgeführt. Die technische Präzision dieser Systeme ist der Schlüssel zur schnellen und verlustfreien Durchführung, insbesondere bei großen Höhen oder engen Gassen.
- Transportmittel: Für interne Umlagerungen werden oft Gabelstapler, Hubwagen oder Fördertechnik (Band- oder Rollenförderer) eingesetzt. Die Auswahl des Transportmittels hängt von der Größe der Transporteinheit und der Distanz ab.
- Bestandsgenauigkeit: Technische Abläufe, wie das Scannen des Quell- und Zielstellplatzes sowie der Lagereinheit (mittels Barcode/RFID), sind zwingend erforderlich, um eine hundertprozentige Bestandsgenauigkeit nach der Umlagerung zu gewährleisten.
Umlagerungen sind kostenintensive, aber notwendige Prozesse zur Aufrechterhaltung der Kommissionierfähigkeit und der organisatorischen Effizienz des Lagers.
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