Planbilanzen
Planbilanzen sind zentrale, zukunftsorientierte Instrumente der **Finanzplanung** und des **Controlling**, welche die geplante Entwicklung der gesamten **Bilanzsumme** – sowohl der Vermögensstruktur (Aktiva) als auch der Kapitalstruktur (Passiva) – eines Unternehmens über einen mittelfristigen Planungshorizont von typischerweise drei bis fünf Jahren systematisch prognostizieren.
Technische und Methodische Aspekte der Planbilanzen
Die technische Erstellung von Planbilanzen erfolgt durch die Integration der Ergebnisse aus anderen Teilplänen (insbesondere der Ergebnisplanung und der **Liquiditätsplanung**) und stellt somit den Endpunkt der **Finanzplanung** dar. Sie basiert auf den Prinzipien der doppelten Buchführung.
- Ableitung und Integration: Planbilanzen werden nicht isoliert erstellt. Technisch werden die zukünftigen Aktiv- und Passivposten aus den geplanten Strömen abgeleitet:
- **Aktiva (Vermögen):** Die Entwicklung des **Anlagevermögens** wird durch den **Investitionsplan** (geplante **Investitionen** und **Desinvestitionen**) und die prognostizierten **Abschreibungen** bestimmt. Das Umlaufvermögen (z.B. Vorräte, Forderungen) ergibt sich aus dem geplanten **Nettoumsatz** und dem **Kapitalbedarf** für das Umlaufvermögen.
- **Passiva (Kapital):** Das **Eigenkapital** (**Eigenmittel**) verändert sich durch den geplanten **Bruttogewinn** (oder -verlust) aus der Plan-GuV abzüglich geplanter Gewinnausschüttungen. Das **Fremdkapital** ergibt sich aus der **Liquiditätsplanung** und der notwendigen externen Finanzierung, abzüglich der geplanten **Darlehensamortisation**.
- Bilanzidentität: Die wichtigste technische Anforderung ist die strikte Einhaltung der Bilanzgleichung (**Aktiva = Passiva**) für jeden zukünftigen Stichtag der Planung. Planungsfehler führen sofort zu einer Verletzung dieser Identität.
- Risikosimulation: Im Rahmen der **Kapitalbedarfsrechnung** können Planbilanzen für verschiedene Szenarien (Worst-Case, Best-Case) erstellt werden, um die Sensitivität der zukünftigen Kapitalstruktur auf Schwankungen im **Bruttoumsatz** und **Cash-Flow** zu bewerten.
Die technische Integrität der Planbilanzen ist ein Maßstab für die Qualität der gesamten **Finanzplanung**.
Organisatorische und Strategische Aspekte
Auf der organisatorischen Ebene dienen Planbilanzen als strategische Roadmap und als Kommunikationsbasis für das Management und externe Stakeholder.
- Strategische Kontrolle: Planbilanzen ermöglichen es dem **CEO** und dem **Controlling**, die Einhaltung strategischer Kennzahlen (z.B. angestrebte **Eigenkapitalquote**, Verschuldungsgrad, **Bilanzsumme**-Wachstum) über mehrere **Meilensteine** hinweg zu überwachen. Sie zeigen den **Impact** von Entscheidungen (z.B. hohe **Investitionen**) auf die zukünftige Kapitalstruktur.
- Finanzierungsstrategie: Die Planbilanzen liefern die organisatorische Grundlage, um den zukünftigen **Fremdkapital**- und **Eigenkapital**-Bedarf zu bestimmen. Sie zeigen, wann und in welcher Höhe neue Kredite (ggf. mit **Bürgschaften**) aufgenommen oder Kapitalerhöhungen durchgeführt werden müssen.
- Bewertung der Solvenz: Sie sind für die externe Kommunikation mit Banken und Investoren von entscheidender Bedeutung. Eine gesunde prognostizierte Kapitalstruktur (hohe **Eigenmittel**, geringes Risiko) ist ein wichtiges Argument für die Kreditwürdigkeit.
- **Organisationsstruktur** und **Infrastruktur**: Die geplante Entwicklung des **Anlagevermögens** in den Planbilanzen muss mit der **Organisationsstruktur** und den geplanten **Investitionen** in die **Infrastruktur** (gemäß **Investitionsplan**) konsistent sein.
Die Planbilanzen sind somit die finanzielle Zusammenfassung der zukünftigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens.
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