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MID - Molded Interconnect Devices

Molded Interconnect Devices (MID), oder spritzgegossene Schaltungsträger, sind technologisch fortschrittliche Bauteile aus thermoplastischem Kunststoff, bei denen elektronische und mechanische Funktionen direkt auf einem einzigen dreidimensionalen (3D) Formkörper integriert werden. Dieses Verfahren ermöglicht die Substitution mehrerer Einzelkomponenten und führt zu einer erheblich höheren Funktionsdichte von Baugruppen, was die Miniaturisierung und Rationalisierung von elektronischen Geräten maßgeblich unterstützt.

MID – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte

Die MID-Technologie stellt eine Brückentechnologie zwischen mechanischem Design und Elektronikfertigung dar. Organisatorisch ermöglicht sie eine radikale Vereinfachung der Montageprozesse und reduziert die Anzahl der benötigten Teile, was wiederum die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems erhöht. Technisch ist der Kern des Verfahrens die selektive Metallisierung der Kunststoffoberfläche, um die Leiterbahnstruktur zu erzeugen.

Technische Herstellungsverfahren und Aufbau

Die Herstellung von MIDs basiert auf einer Kombination von Spritzgusstechnik und speziellen Metallisierungsverfahren:

  • Kunststoff-Substrat: Als Basismaterial dienen spezielle thermoplastische Kunststoffe (z.B. LCP oder PBT), die hitzebeständig und chemisch vorbereitbar sind. Die mechanische Form des Bauteils (mit Gehäuseelementen, Halterungen, Befestigungsdoms) wird im Spritzgussverfahren hergestellt.
  • Selektive Aktivierung: Nach dem Spritzguss muss die Oberfläche für die Metallisierung vorbereitet werden. Die gängigsten technischen Verfahren sind:
    • LDS (Laser Direct Structuring): Dem Kunststoff ist ein metallorganisches Additiv beigemischt. Ein Laserstrahl aktiviert selektiv nur die Bereiche auf der 3D-Oberfläche, auf denen später Leiterbahnen entstehen sollen. Die aktivierten Stellen machen das Additiv freisetzbar.
    • Zwei-Komponenten-Spritzguss (2K-Verfahren): Hierbei werden zwei unterschiedliche Kunststoffe (einer metallisierbar, einer nicht) in zwei aufeinanderfolgenden Spritzgussschritten geformt.
  • Metallisierung: Die aktivierten Bereiche werden in einem chemischen Bäderprozess (stromlose Metallisierung) selektiv mit leitfähigem Material (typischerweise Kupfer, gefolgt von Nickel und Gold) beschichtet. Dies erzeugt die Leiterbahnstruktur auf dem Kunststoff.
  • Bestückung: Die fertig metallisierten 3D-Schaltungsträger können anschließend im automatisierten SMD-Verfahren (Surface Mounted Device) mit elektronischen Bauteilen wie ICs, LEDs, Steckverbindern oder Antennenstrukturen bestückt werden.

Organisatorische und Anwendungstechnische Aspekte

Die Anwendung von MIDs führt zu signifikanten organisatorischen und fertigungstechnischen Vorteilen:

  • Funktionsintegration: Organisatorisch werden Gehäuse, Stecker, Antenne und Leiterplatte in einem einzigen Bauteil integriert. Dadurch entfallen die logistischen Schritte der Beschaffung, Lagerung und Montage mehrerer Einzelteile.
  • Miniaturisierung: Die Möglichkeit, Leiterbahnen auch auf der dritten Dimension (in Kurven, um Ecken) zu führen, erlaubt eine Platzersparnis und eine höhere Packungsdichte der Elektronik – ein Schlüsselvorteil in mobilen Geräten und Sensoren.
  • Antennentechnologie: MID-Komponenten sind prädestiniert für integrierte Antennen (MID-Antennen) in Kommunikationsmodulen (WLAN, Bluetooth, 5G), da die Antennenstruktur direkt in das Gehäuse integriert und geometrisch optimiert werden kann.
  • Rationalisierung: Die Reduzierung der Teileanzahl senkt die Total Cost of Ownership (TCO), vereinfacht die Fehlerdiagnose und steigert die Robustheit des Systems.



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