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Kollokationsraum

Der Kollokationsraum (Colocation Space) ist eine räumlich und technisch gesicherte Zone innerhalb der Betriebsgebäude eines etablierten Telekommunikationsnetzbetreibers (z.B. der früheren Monopolisten wie Swisscom oder Deutsche Telekom), die es alternativen Netzbetreibern (Wettbewerbern) ermöglicht, ihre eigenen technischen Einrichtungen dort zu installieren und direkten Zugang zu den Kundenanschlussleitungen zu erhalten.

Kollokationsraum – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte

Der Kollokationsraum ist ein zentraler organisatorischer und technischer Bestandteil der Entbündelung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL), auch bekannt als Local Loop Unbundling (LLU). Dieses Konzept wurde durch Regulierungsbehörden eingeführt, um den Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt zu fördern. Durch die Bereitstellung des Kollokationsraums wird Wettbewerbern der Zugang zur "letzten Meile" – der physikalischen Verbindung aus Kupferkabeln, die vom Hauptverteiler (HVt) des etablierten Betreibers zum Endkunden führt – ermöglicht.

Technische Implementierung und Zugang

Technisch gesehen ist der Kollokationsraum ein physisch separierter und gesicherter Bereich innerhalb einer Vermittlungsstelle (oft als "Zentrale" bezeichnet). Die technische Anbindung erfolgt in mehreren Schritten:

  • Physische Kollokation: Der alternative Netzbetreiber (ANB) installiert in diesem Raum seine eigenen aktiven Komponenten, insbesondere den DSLAM (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) oder Glasfaser-Abschlusspunkte.
  • Cross-Connection (Querverbindung): Der kritische technische Schritt ist die Anschaltung der entbündelten TAL. Die Kupfer-Doppeladern, die zum Kunden führen und im Hauptverteiler (HVt) des etablierten Betreibers enden, werden mittels spezieller Jumper-Kabel (Jumper) an die Hauptverteiler oder Abschlusspunkte des ANB im Kollokationsraum weitergeleitet.
  • Stromversorgung und Klimatisierung: Der Kollokationsraum muss eine zuverlässige, unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV/Batterie-Backup) und eine geeignete Klimatisierung für die empfindliche aktive Netzwerktechnik des ANB gewährleisten.

Der direkte Zugang zur TAL ermöglicht es dem ANB, dem Endkunden eigene DSL-Dienste (ADSL, VDSL) oder andere Breitbanddienste anzubieten, ohne die Dienste des etablierten Betreibers weiterverkaufen zu müssen.

Organisatorische und Regulatorische Aspekte

Organisatorisch ist der Kollokationsraum das Ergebnis strenger staatlicher Regulierung, die auf fairen Wettbewerb abzielt:

  • Regulierungspflicht: Der etablierte Betreiber (als LLU-Operator oder Access Provider) ist regulatorisch verpflichtet, Dritten diesen Zugang zu nicht-duplizierbaren Infrastrukturen zu gewähren und faire, nicht-diskriminierende Mietbedingungen für den Raum und die Cross-Connections anzubieten.
  • Sicherheit und Zutrittskontrolle: Aufgrund der Sensibilität der Netzwerkinfrastruktur müssen Kollokationsräume hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen. Der Zutritt für die Techniker des ANB muss protokolliert und kontrolliert werden.
  • Wirtschaftlichkeit: Die Preise für die Kollokation und die TAL-Miete werden von der nationalen Regulierungsbehörde überwacht oder festgelegt. Dies stellt sicher, dass die Kosten die Markteintrittsbarrieren für Wettbewerber nicht unzulässig erhöhen.

Der Kollokationsraum ist somit der physische Ort, an dem der Telekommunikationswettbewerb auf der Ebene der Netzinfrastruktur Realität wird.



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