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Internet-EDI

Internet-EDI bezeichnet die strategische und technische Erweiterung des traditionellen EDI (Electronic Data Interchange), indem es das öffentliche und kostengünstige Internet als primäres Kommunikationsnetzwerk für den standardisierten Austausch von Geschäftsdokumenten nutzt. Es ersetzt damit die teureren, dedizierten Netzwerke (Value Added Networks, VANs) durch standardisierte Internetprotokolle wie E-Mail und FTP.

Internet-EDI – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte

Internet-EDI ist eine Weiterentwicklung im Bereich des elektronischen Datenaustauschs, die darauf abzielt, die Markteintrittsbarrieren für kleinere Unternehmen zu senken und die globalen Kommunikationskosten zu reduzieren. Während traditionelles EDI auf proprietären Netzwerken und Protokollen basierte, nutzt Internet-EDI die weitreichende Verfügbarkeit und die etablierten Protokolle des Internets, um dieselben standardisierten Geschäftsdokumente (z.B. ORDERS, INVOIC) zu übertragen.

Technische Protokolle und Transportmechanismen

Die technische Grundlage von Internet-EDI ist die Nutzung offener Internetprotokolle zur Übertragung von EDI-Nachrichten (die selbst in Formaten wie EDIFACT oder ANSI X.12 vorliegen):

  • FTP (File Transfer Protocol): Eines der gängigsten Protokolle für Internet-EDI. Hierbei werden EDI-Dateien als unstrukturierte Dateien auf einen FTP-Server hochgeladen oder von dort heruntergeladen. Aus Sicherheitsgründen wird häufig SFTP (Secure FTP) oder FTPS verwendet, um die Verschlüsselung und Authentizität zu gewährleisten.
  • E-Mail (SMTP/POP3): EDI-Nachrichten können als Anhang oder im Textkörper einer E-Mail versendet werden. Dies ist technisch einfach umzusetzen, erfordert aber zusätzliche organisatorische Maßnahmen zur Sicherstellung der Nichtabstreitbarkeit und des zuverlässigen Empfangs.
  • HTTP/HTTPS: Moderne Internet-EDI-Standards, insbesondere im Kontext von XML-basiertem EDI (wie ebXML oder RosettaNet), nutzen HTTPS als sicheren Transportmechanismus. Das Protokoll AS2 (Applicability Statement 2), das auf HTTPS basiert, ist der vorherrschende Standard für einen sicheren und zuverlässigen EDI-Transport über das Internet.
  • Verschlüsselung und Sicherheit: Technisch müssen bei Internet-EDI, anders als bei dedizierten VANs, zusätzliche Sicherheitsmechanismen implementiert werden. Dazu gehören die SSL/TLS-Verschlüsselung der Verbindung und die Nutzung digitaler Signaturen und Zertifikate zur Authentifizierung der Sender und Empfänger.

Organisatorische und Wirtschaftliche Aspekte

Die Umstellung auf Internet-EDI hat signifikante organisatorische und wirtschaftliche Vorteile:

  • Kostensenkung: Die primäre organisatorische Motivation ist die Eliminierung oder drastische Reduzierung der teuren VAN-Gebühren. Die Nutzung des öffentlichen Internets als Transportmedium senkt die Betriebskosten erheblich.
  • Reichweite und Partnerintegration: Organisatorisch ermöglicht Internet-EDI die einfache Anbindung einer größeren Anzahl von Geschäftspartnern, insbesondere kleinerer Unternehmen (KMU), die sich die Kosten für traditionelles EDI nicht leisten konnten. Dies steigert die Automatisierungsrate in der gesamten Lieferkette.
  • Vereinfachte Infrastruktur: Die Nutzung gängiger Internet-Infrastruktur vereinfacht die organisatorische und technische Wartung. Es sind keine speziellen Netzwerkausrüstungen oder Mietleitungen erforderlich.
  • Prozessautomatisierung: Unabhängig vom Transportmedium bleibt das Kernziel des EDI erhalten: die vollständige Automatisierung des Austauschs von Geschäftsdokumenten (Order-to-Cash), wodurch manuelle Eingriffe minimiert und Fehlerquellen beseitigt werden.

Internet-EDI ist somit die technologische und ökonomische Evolution des elektronischen Datenaustauschs, die ihn für die breite Masse der Unternehmen zugänglich gemacht hat.



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