Futures
Futures-Kontrakte sind börsengehandelte Termingeschäfte, d.h. hochgradig standardisierte, vertragliche Vereinbarungen, die den Käufer und den Verkäufer unbedingt dazu verpflichten, eine festgelegte Menge eines Basiswerts (z.B. Energie, Währung, Rohstoff) zu einem bei Vertragsabschluss fixierten Preis und zu einem zukünftigen Fälligkeitstermin zu kaufen bzw. zu verkaufen. Sie dienen als zentrales Instrument des Risikomanagements (Hedging) und der Spekulation auf globalen Finanzmärkten.
Futures – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte
Futures stellen eine Weiterentwicklung der Forward-Kontrakte dar, wobei die organisatorische und technische Standardisierung und die Abwicklung über eine Börse ihre zentralen Unterscheidungsmerkmale sind. Diese Eigenschaften garantieren eine hohe Marktliquidität und minimieren das Ausfallrisiko der Vertragsparteien, was sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil des modernen Terminhandels macht.
Technische Standardisierung und Handel
Die technische Ausgestaltung eines Futures-Kontrakts folgt strengen Börsenregeln:
- Standardisierung: Im Gegensatz zu flexiblen Forward-Verträgen sind Futures in jeder Hinsicht standardisiert:
- Menge: Die gehandelte Menge des Basiswerts (z.B. 100 Barrel Öl oder 1 MWh Strom) ist fix vorgegeben.
- Qualität: Die Beschaffenheit des Basiswerts (z.B. Brent Crude oder Baseload-Strom) ist genau definiert.
- Lieferort und Fälligkeit: Die möglichen Liefertermine und der Ort der physischen Erfüllung (falls zutreffend) sind festgelegt.
- Börsenhandel: Futures werden ausschließlich an regulierten Terminbörsen (Exchanges) gehandelt (z.B. EEX für Energie, CME Group). Der Handel erfolgt transparent und ermöglicht es jedem Marktteilnehmer, zu den gleichen Bedingungen in den Kontrakt ein- oder auszusteigen.
- Täglicher Barausgleich (Mark-to-Market): Technisch erfolgt täglich ein Mark-to-Market-Verfahren. Die Gewinne oder Verluste aus der Preisveränderung des Kontrakts werden täglich auf dem Margin-Konto der Händler verrechnet. Dies begrenzt das Risiko einer großen, plötzlichen Forderung am Ende der Laufzeit.
Organisatorische Abwicklung und Risikomanagement
Das organisatorische Fundament des Futures-Handels ist das Clearing-Haus:
- Clearing-Haus (Central Counterparty, CCP): Organisatorisch tritt das Clearing-Haus (z.B. ECC für Energie) als zentraler Kontrahent zwischen Käufer und Verkäufer. Für den Käufer ist das Clearing-Haus der Verkäufer und umgekehrt. Dies eliminiert das Kontrahentenrisiko (Credit Risk) zwischen den Handelspartnern – ein entscheidender organisatorischer Vorteil gegenüber OTC-Forwards.
- Margining-System: Die CCP sichert sich gegen Ausfallrisiken durch das Margin-System ab. Händler müssen eine Initial Margin (Sicherheitshinterlegung) leisten und diese durch das tägliche Mark-to-Market-Verfahren auf einem Mindestniveau halten (Maintenance Margin). Sinkt der Kontostand darunter, muss der Händler nachschießen (Margin Call).
- Hedging und Spekulation:
- Hedging: Energieversorger nutzen Futures, um ihre zukünftigen Produktionskosten oder Einnahmen zu fixieren und so die Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.
- Spekulation: Finanzinvestoren nutzen Futures, um auf die zukünftige Preisentwicklung des Basiswerts zu setzen.
- Erfüllung: Die meisten Futures werden vor Fälligkeit durch einen glattstellenden Gegengeschäft (Kauf eines verkauften Futures oder Verkauf eines gekauften Futures) finanziell ausgeglichen. Nur ein geringer Anteil führt tatsächlich zur physischen Lieferung des Basiswerts.
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