Forward
Ein Forward (oder Termingeschäft) ist ein bilateraler, nicht standardisierter Vertrag zwischen zwei Parteien, bei dem sich eine Partei (der Verkäufer) verpflichtet, einen bestimmten Basiswert (Underlying, z.B. Währung, Rohstoff, Energie) zu einem fest definierten zukünftigen Zeitpunkt und zu einem heute vereinbarten Preis (Terminkurs oder Lieferpreis) an die andere Partei (den Käufer) zu liefern. Die Gegenpartei verpflichtet sich im Gegenzug zur Abnahme des Basiswerts und zur Zahlung des Terminkurses.
Forward – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte
Der Forward-Kontrakt ist ein zentrales Instrument zur Absicherung von Preisrisiken im Finanz- und Rohstoffhandel. Organisatorisch unterscheidet er sich fundamental vom Future-Kontrakt dadurch, dass er OTC (Over The Counter), also direkt zwischen zwei Parteien und nicht über eine Börse, abgeschlossen wird. Dies ermöglicht eine maximale Flexibilität bei der Vertragsgestaltung, birgt aber gleichzeitig höhere organisatorische Risiken.
Technische und Vertragliche Merkmale
Die technische Natur des Forward-Kontrakts liegt in seiner individuellen Ausgestaltung:
- Kontraktindividualität: Forwards sind maßgeschneidert (Customized). Die Parteien können technisch und organisatorisch die Menge, die Qualität, den Lieferort und den Fälligkeitstermin des Basiswerts frei aushandeln, um exakt ihren spezifischen Bedürfnissen zu entsprechen.
- Derivat und Basiswert: Ein Forward ist ein Derivat, da sein Wert von der Preisentwicklung des zugrunde liegenden Basiswerts abhängt. Die Preisformel (PT) des Forward-Preises ergibt sich theoretisch aus dem Kassapreis (P0) und den Lagerkosten (C) oder dem Zins (r) über die Laufzeit (T). PT=P0⋅(1+r)T (für zinsabhängige Basiswerte) Die Preisbildung erfolgt jedoch bilateral und basiert auf der jeweiligen Erwartung der zukünftigen Preisentwicklung.
- Verpflichtung: Der Kontrakt ist ein unbedingtes Geschäft. Beide Parteien sind verpflichtet, den Vertrag am Fälligkeitstag zu erfüllen, entweder durch tatsächliche Lieferung (physische Erfüllung) oder durch Barausgleich (Cash Settlement).
- Nicht-standardisiert: Da Forwards nicht börsengehandelt werden, gibt es keine zentrale Stelle, die die Vertragskonditionen vorgibt. Die Vertragsdokumentation (z.B. nach ISDA-Rahmenvereinbarungen) muss die technischen und organisatorischen Details der Lieferung regeln.
Organisatorische Aspekte und Risikomanagement
Die organisatorische Nutzung und die damit verbundenen Risiken unterscheiden Forwards von Futures:
- Hedging-Flexibilität: Organisatorisch nutzen Unternehmen Forwards, um ihr Preisrisiko (Hedging) exakt abzusichern. Beispielsweise sichert sich ein Flugunternehmen heute den Preis für die Kerosinlieferung in sechs Monaten, angepasst an die spezifische Liefermenge und -stelle.
- Kontrahentenrisiko (Credit Risk): Da der Handel nicht über ein zentrales Clearing-Haus abgewickelt wird, trägt jede Partei das volle organisatorische Risiko des Zahlungsausfalls der Gegenpartei (Kontrahentenrisiko). Dies ist der Hauptnachteil gegenüber Futures.
- Liquidität: Forwards sind aufgrund ihrer Individualität weniger liquide als Futures und können nicht einfach am Markt verkauft werden. Sie sind meist bis zur Fälligkeit zu halten.
- Organisatorische Abwicklung: Die Abwicklung erfolgt direkt zwischen den Parteien. Im Falle einer physischen Erfüllung (typisch im Energie- und Rohstoffhandel) regelt der Forward-Vertrag die logistischen Details der Lieferung. Bei finanzieller Erfüllung wird nur die Differenz zwischen dem Terminkurs und dem aktuellen Kassakurs am Fälligkeitstag verrechnet.
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