Dedizierte Steuerung
Eine Dedizierte Steuerung (auch als anwendungsspezifische oder proprietäre Steuerung bezeichnet) ist ein technisches Steuer- und Regelsystem, das speziell und exklusiv für die Anforderungen einer einzelnen, klar definierten Applikation oder einer bestimmten Industriebranche entwickelt, optimiert und gefertigt wurde. Sie zeichnet sich technisch durch eine perfekt auf die Anwendung abgestimmte Hardware und Software aus.
Dedizierte Steuerung – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte
Im Gegensatz zu universellen Steuerungslösungen wie speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS), die eine breite Palette von Aufgaben erfüllen können, ist die Dedizierte Steuerung ein Produkt des Custom Engineerings. Ihre Existenz ist organisatorisch durch die Notwendigkeit begründet, maximale technische Performance, optimale Baugröße, höchste Energieeffizienz oder spezielle Sicherheitsstandards zu einem wirtschaftlich attraktiven Preis für eine große Stückzahl gleichartiger Maschinen zu erreichen.
Technische Spezifikation und Optimierung
Die technische Überlegenheit einer Dedizierten Steuerung liegt in der gezielten Anpassung aller Komponenten an die spezifische Aufgabe:
- Optimierte Hardware: Der Prozessor, der Speicher, die Schnittstellen und die Leistungselektronik sind technisch exakt auf die notwendige Rechenleistung, die Anzahl der Ein- und Ausgänge (I/O) und die erforderlichen Kommunikationsprotokolle zugeschnitten. Unnötige Komponenten, die Kosten oder Baugröße erhöhen würden, werden weggelassen.
- Integrierte Spezialfunktionen: Dedizierte Steuerungen integrieren oft spezifische technische Module direkt auf dem Board. Beispiele hierfür sind:
- Motion-Control-Chips: Für hochdynamische Achssteuerungen in Werkzeugmaschinen.
- ASICs/FPGAs: Für extrem schnelle, hardwarenahe Signalverarbeitung (z.B. für Bildverarbeitung oder spezielle Sensor-Interfaces).
- Sicherheitsschaltungen: Direkte Implementierung von Functional Safety-Funktionen (z.B. STO - Safe Torque Off) in die Steuerungshardware.
- Proprietäre Firmware/Software: Die Firmware ist für die spezifische Anwendung vorkompiliert und optimiert. Dies ermöglicht eine maximale Ausnutzung der Hardware-Ressourcen und eine extrem schnelle, deterministische (Echtzeit) Ausführung des Regelprogramms. Die Programmierschnittstelle ist oft spezifisch für den Hersteller.
- Bauform und Umgebung: Die Steuerung wird technisch in einer Bauform entwickelt, die perfekt in das Gehäuse der Zielmaschine passt und den spezifischen Umweltbedingungen (Temperatur, Vibration, IP-Schutzart) der Branche standhält.
Organisatorische und Wirtschaftliche Aspekte
Die Entscheidung für oder gegen eine Dedizierte Steuerung ist eine strategische organisatorische Abwägung von Kosten, Markteinführungszeit und Alleinstellungsmerkmalen:
- Entwicklungskosten und Stückzahlen: Die initialen Entwicklungskosten (NRE-Kosten) sind hoch. Organisatorisch rechnet sich eine Dedizierte Steuerung nur, wenn sehr hohe Stückzahlen des Endprodukts (Maschinen) verkauft werden, da die Kosten auf eine große Basis verteilt werden können (Skaleneffekt).
- Wettbewerbsvorteil: Durch die technische Optimierung kann die Dedizierte Steuerung einzigartige Funktionen oder eine unerreichte Leistung in der Branche bieten. Dies schafft einen organisatorischen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten, die auf Standard-SPS setzen.
- Unabhängigkeit und Wartung: Der Hersteller der Maschine wird durch die Dedizierte Steuerung technisch unabhängiger von den Standard-SPS-Herstellern. Organisatorisch ist jedoch das gesamte Wartungs- und Änderungsmanagement der Steuerung in der Hand des Maschinenbauers.
- Markteinführungszeit (Time-to-Market): Die Entwicklungszeit für eine Dedizierte Steuerung ist oft länger als die reine Programmierung einer Standard-SPS, was organisatorisch eine spätere Markteinführung des Produkts bedeuten kann.
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