Crimpvollautomat
Ein Crimpvollautomat ist eine hochkomplexe, programmierbare Fertigungsmaschine, die den gesamten Prozess der Kabelkonfektionierung von der Rolle bis zum fertigen Endprodukt in einem einzigen, automatisierten Durchlauf abwickelt. Dieser Maschinentyp ist technisch in der Lage, das Kabel exakt abzulängen, die Enden abzuisolieren und an beiden Seiten des Leiters elektrische Kontakte (Terminals) mittels Crimpen anzuschlagen.
Crimpvollautomat – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte
Der Crimpvollautomat ist die zentrale technische Einheit in der industriellen Kabelbaum- und Leitungssatzfertigung, insbesondere in der Automobil- und Geräteindustrie, wo große Stückzahlen und höchste Qualitätsanforderungen herrschen. Er ersetzt eine Kette von manuellen oder halbautomatischen Einzelschritten und ist darauf ausgelegt, maximale Wiederholgenauigkeit, Geschwindigkeit und Prozesssicherheit zu gewährleisten.
Technische Prozessintegration und Module
Die technische Leistungsfähigkeit eines Crimpvollautomaten resultiert aus der sequenziellen und präzisen Integration verschiedener Bearbeitungsmodule:
- Kabelzuführung und Ablängen: Das Kabel wird von der Haspel oder dem Fass über präzise Messräder zugeführt. Die Steuerung der Maschine stoppt den Vorschub exakt an der programmierten Soll-Länge. Ein Trennmesser führt den hochpräzisen Schnitt durch.
- Abisolierung: Unmittelbar nach dem Ablängen erfolgt das Abisolieren beider Enden. Die Maschine muss technisch in der Lage sein, die Abisolierlänge und die Abzugslänge fehlerfrei auf den jeweiligen Aderquerschnitt und das Isoliermaterial einzustellen.
- Crimpen: Das Kernstück sind die integrierten Crimp-Stationen. Der Vollautomat kann oft bis zu acht oder mehr verschiedene Stationen aufnehmen, wodurch komplexe Enden (z.B. unterschiedliche Kontaktformen, Dichtungen) in einem Durchlauf verarbeitet werden können. Die Crimp-Stationen müssen über die Crimp-Höhe exakt kalibriert sein.
- Doppelseitige Verarbeitung: Die fortschrittlichsten Automaten verfügen über Wendeeinrichtungen und zwei separate Crimp-Aggregate, um beide Kabelenden mit unterschiedlichen Kontakten in derselben Maschine zu konfektionieren, was die Taktzeit und die Prozessgenauigkeit optimiert.
- Zusatzmodule: Die Anlagen können modular mit weiteren Bearbeitungsschritten integriert werden, z.wie z.B. dem Tüllenschieben (Anbringen von Dichtungen), Verzinnen oder dem Verdrehen/Verlitzen offener Kabelenden.
Organisatorische und Qualitätsmanagement-Aspekte
Organisatorisch ist der Einsatz von Crimpvollautomaten an strenge Verfahren geknüpft, um die Produktqualität sicherzustellen:
- Rüstmanagement: Die organisatorische Herausforderung liegt in der Minimierung der Rüstzeiten (Umrüsten der Crimp-Werkzeuge und Führungen) beim Wechsel von Produktlosen (Chargen). Moderne Maschinen unterstützen den Bediener durch digital geführte Rüstprozesse.
- Qualitätssicherung in Echtzeit: Technisch sind Vollautomaten mit Crimp-Kraftüberwachungssystemen ausgestattet. Diese messen den Kraft-Weg-Verlauf jedes einzelnen Crimp-Vorgangs. Weicht der Verlauf von der programmierten Referenzkurve ab, wird der Crimp als fehlerhaft erkannt, der Kontakt markiert oder ausgeschleust. Dies gewährleistet eine 100%-Prüfung der elektrischen Verbindung.
- Traceability und MES-Integration: Organisatorisch sind die Automaten in das Manufacturing Execution System (MES) integriert. Sie erhalten Fertigungsaufträge digital und übermitteln alle prozessrelevanten Daten (Länge, Crimp-Höhe, Prüfergebnisse) zurück, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit jeder konfektionierten Litze zu garantieren.
- Wirtschaftlichkeit: Die hohe Investition in Crimpvollautomaten amortisiert sich organisatorisch durch die massive Senkung der Personalkosten, die drastische Reduktion von Fehlern und die hohe Produktionsgeschwindigkeit.
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