Contracting
Das Contracting ist ein umfassendes, langfristiges Dienstleistungsmodell, bei dem der Kunde (Contracting-Nehmer) nicht die primären Energieträger (z.B. Strom, Gas) erwirbt, sondern ausschließlich die gewünschte Nutzenergie (wie Wärme, Kälte, Licht oder Prozessenergie). Der externe Dienstleister (Contractor) übernimmt dabei organisatorisch das vollständige Investitions- und Funktionsrisiko für die zur Erzeugung notwendigen technischen Anlagen.
Contracting – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte
Contracting ist eine organisatorische Form der Energie- und Anlagendienstleistung, die darauf abzielt, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit bei der Energieversorgung von Gebäuden und Industrieanlagen zu optimieren. Durch die Auslagerung des Anlagenmanagements und der Investitionen auf den spezialisierten Contractor profitiert der Nehmer von fix kalkulierbaren Preisen und garantierten Leistungsparametern, während der Contractor sein Risiko durch technische Expertise und effizienteren Betrieb minimiert.
Organisatorische und Vertragliche Struktur
Die organisatorische Grundlage des Contractings ist der langfristige Vertrag zwischen Contractor und Nehmer, der eine klare Risikoverteilung festlegt:
- Risikotransfer: Der zentrale organisatorische Vorteil für den Contracting-Nehmer ist der vollständige Transfer des Investitions- und Betriebsrisikos auf den Contractor. Der Nehmer muss keine Kapitalbindung für die Anlage in Kauf nehmen.
- Leistung vs. Menge: Das Vertragsobjekt ist nicht die Menge der eingespeisten Primärenergie, sondern die garantierte Nutzenergie oder die erbrachte Leistung (z.B. eine definierte Raumtemperatur, eine garantierte Beleuchtungsstärke).
- Planbarkeit und Sicherheit: Der Nehmer erhält organisatorische Kosten- und Betriebssicherheit über die gesamte Vertragslaufzeit, da die Kosten für die Nutzenergie oft fest vereinbart werden oder nur an klar definierte Indizes (z.B. Ölpreis) gekoppelt sind.
- Laufzeit: Contracting-Verträge haben typischerweise lange Laufzeiten (oft 10 bis 20 Jahre), um dem Contractor die Amortisation seiner Investitionen zu ermöglichen.
Technische Formen des Contracting
Technisch werden je nach Umfang der Leistung und dem Fokus auf Effizienzsteigerung drei Hauptformen unterschieden:
- Anlagen-Contracting (Energy Supply Contracting):
- Technisch: Der Contractor plant, baut, finanziert und betreibt die gesamte Energieerzeugungsanlage (z.B. ein neues Blockheizkraftwerk, eine Kältezentrale).
- Organisatorisch: Der Contractor bleibt rechtlicher und technischer Eigentümer der Anlage. Er verkauft die erzeugte Wärme, Kälte oder Kraft direkt an den Nehmer.
- Performance-Contracting (Energy Performance Contracting):
- Technisch: Der Contractor realisiert Energiesparmaßnahmen (z.B. Installation effizienterer Pumpen, Dämmung, LED-Beleuchtung) in der Anlage des Kunden.
- Organisatorisch: Der Contractor garantiert vertraglich eine definierte Einsparung (Garantie der Effizienz). Sein Honorar ist oft an den tatsächlich erzielten Einsparungen gekoppelt (Shared Savings), was einen direkten technischen Anreiz zur maximalen Effizienzsteigerung schafft.
- Betriebsführungs-Contracting (Operation and Maintenance Contracting):
- Technisch: Der Contractor übernimmt die komplette technische Betriebsführung und Wartung einer bereits bestehenden Anlage des Kunden (der Kunde bleibt Eigentümer).
- Organisatorisch: Der Contractor trägt die technische Verantwortung für Verfügbarkeit, gesetzliche Konformität und optimierten Betrieb zu festen Servicekosten.
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