Bewertungsteam
Das Bewertungsteam ist eine formell etablierte, interdisziplinäre Gruppe innerhalb eines Projekts oder einer Organisation, deren primäre Aufgabe die systematische, objektive Beurteilung und Gewichtung verschiedener Lösungsalternativen (z.B. Softwareprodukte, Prozessentwürfe, technische Architekturen) ist, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die optimale Umsetzung zu liefern. Es ist organisatorisch für die technische und wirtschaftliche Validierung verantwortlich.
Bewertungsteam – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte
Das Bewertungsteam spielt eine kritische Rolle in Entscheidungsprozessen, insbesondere bei komplexen Investitionen in IT-Systeme oder bei der Neugestaltung von Geschäftsprozessen. Die Existenz eines dedizierten Teams gewährleistet, dass die Auswahl der optimalen Lösung nicht durch Einzelinteressen oder unstrukturierte Ad-hoc-Analysen erfolgt, sondern auf einer strukturierten, nachvollziehbaren Methodik basiert. Organisatorisch ist das Team oft identisch mit der Zielsetzungsgruppe oder wird von dieser beauftragt.
Organisatorische Zusammensetzung und Governance
Die Effektivität eines Bewertungsteams hängt stark von seiner interdisziplinären Zusammensetzung und klaren organisatorischen Verankerung ab:
- Interdisziplinarität: Das Team muss organisatorisch alle relevanten Bereiche abdecken, die von der Entscheidung betroffen sind:
- Fachexperten: Vertreter der Fachabteilungen, die die funktionalen Anforderungen kennen (z.B. Logistik, Vertrieb).
- IT-Architekten/Techniker: Experten für die technische Machbarkeit, Integrationsfähigkeit und Infrastruktur.
- Controlling/Finanzen: Zuständig für die wirtschaftliche Bewertung (Kosten-Nutzen-Analyse, TCO).
- Projektleitung: Verantwortlich für die Einhaltung des Zeit- und Budgetrahmens des Bewertungsprozesses.
- Rollen und Verantwortung: Die organisatorische Aufgabe des Teams ist klar definiert: Es bewertet und empfiehlt, aber die finale Entscheidungskompetenz liegt meist beim Lenkungsausschuss oder der Geschäftsführung (Governance).
- Regelwerk: Das Team arbeitet nach einem vorab festgelegten, formalisierten Bewertungsrahmen (z.B. Nutzwertanalyse, Kriterienkatalog), um die Objektivität zu sichern.
Technische und Methodische Aspekte der Bewertung
Der Bewertungsprozess ist technisch und methodisch anspruchsvoll, um eine faire und vergleichbare Analyse zu gewährleisten:
- Anforderungskatalog: Technisch basiert die Bewertung auf einem detaillierten Anforderungskatalog, der funktionale, nicht-funktionale (z.B. Performance, Sicherheit) und technische (z.B. Schnittstellen, Datenbankkompatibilität) Anforderungen enthält.
- Nutzwertanalyse (NWA): Die NWA ist die primäre technische Methode. Hierbei werden die im Anforderungskatalog definierten Kriterien gewichtet (z.B. auf einer Skala von 1 bis 5) und die Lösungsalternativen nach ihrer Erfüllung der Kriterien bewertet. Die gewichteten Einzelbewertungen werden zum Gesamtnutzwert summiert. Nutzwert=i=1∑n(Kriteriengewichtungi×Erfu¨llungsgradi)
- TCO-Analyse: Die technische und organisatorische Bewertung wird durch eine Total Cost of Ownership (TCO)-Analyse ergänzt. Diese umfasst nicht nur die Anschaffungskosten der Software, sondern auch die Kosten für Implementierung, Anpassung, Wartung, Schulung und Infrastruktur über einen definierten Zeitraum (z.B. 5 Jahre).
- Proof of Concept (PoC): Bei komplexen IT-Lösungen kann das Team technisch die Durchführung eines PoC verlangen, um kritische Funktionen oder die Integrationsfähigkeit in einer Testumgebung zu validieren, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.
Das Ergebnis der Teamarbeit ist ein Bewertungsbericht, der die technischen und wirtschaftlichen Vor- und Nachteile der Alternativen transparent darlegt und die begründete Empfehlung ausspricht.
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