Der Bestellzeitpunkt (Reorder Point) ist eine kritische Größe im Bestandsmanagement und definiert jenen spezifischen Lagerbestandswert, bei dessen Unterschreitung ein Nachschubprozess ausgelöst werden muss, um die kontinuierliche Verfügbarkeit eines Materials bis zum Eintreffen der neuen Lieferung sicherzustellen.
Der Bestellzeitpunkt, oft auch als Meldebestand bezeichnet, ist ein zentraler Parameter in der Lagerhaltung, insbesondere bei der Anwendung des Bestellpunktverfahrens. Sein Hauptzweck ist es, zu verhindern, dass es während der Beschaffungsdauer (der Zeitspanne vom Auslösen der Bestellung bis zum Eintreffen der Ware) zu einer Lieferunfähigkeit (Out-of-Stock-Situation) kommt. Die korrekte Bestimmung des Bestellzeitpunkts ist entscheidend für die Balance zwischen der Minimierung von Lagerkosten und der Sicherstellung einer hohen Lieferbereitschaft.
Die Berechnung des Bestellzeitpunkts (B) ist eine technische Notwendigkeit, die den erwarteten Verbrauch während der Beschaffungsdauer (TB) und einen Puffer gegen Unsicherheiten berücksichtigt. Die grundlegende Formel lautet:
B=Vdurch⋅TB+S
Wobei:
Die Bestimmung des Sicherheitsbestands (S) erfolgt oft mithilfe statistischer Methoden, basierend auf der Varianz des Verbrauchs und der gewünschten Service-Level-Quote (z.B. 95 % Lieferbereitschaft). Je höher die Unsicherheit in der Nachfrageprognose oder der Lieferzeit ist, desto höher muss S angesetzt werden.
Organisatorisch ist der Bestellzeitpunkt eng mit modernen Warenwirtschafts- und Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Systemen verknüpft. Diese Systeme überwachen kontinuierlich den aktuellen Lagerbestand:
Die korrekte Anwendung des Bestellzeitpunktprinzips trägt maßgeblich zur Optimierung der Lagerhaltung bei, indem sie Lagerkosten (durch Vermeidung unnötig hoher Bestände) reduziert und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit durch hohe Lieferfähigkeit sichert.