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Bestellzeitpunkt

Der Bestellzeitpunkt (Reorder Point) ist eine kritische Größe im Bestandsmanagement und definiert jenen spezifischen Lagerbestandswert, bei dessen Unterschreitung ein Nachschubprozess ausgelöst werden muss, um die kontinuierliche Verfügbarkeit eines Materials bis zum Eintreffen der neuen Lieferung sicherzustellen.

Bestellzeitpunkt – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte im Bestandsmanagement

Der Bestellzeitpunkt, oft auch als Meldebestand bezeichnet, ist ein zentraler Parameter in der Lagerhaltung, insbesondere bei der Anwendung des Bestellpunktverfahrens. Sein Hauptzweck ist es, zu verhindern, dass es während der Beschaffungsdauer (der Zeitspanne vom Auslösen der Bestellung bis zum Eintreffen der Ware) zu einer Lieferunfähigkeit (Out-of-Stock-Situation) kommt. Die korrekte Bestimmung des Bestellzeitpunkts ist entscheidend für die Balance zwischen der Minimierung von Lagerkosten und der Sicherstellung einer hohen Lieferbereitschaft.

Technische Berechnung des Bestellzeitpunkts

Die Berechnung des Bestellzeitpunkts (B) ist eine technische Notwendigkeit, die den erwarteten Verbrauch während der Beschaffungsdauer (TB​) und einen Puffer gegen Unsicherheiten berücksichtigt. Die grundlegende Formel lautet:

B=Vdurch​⋅TB​+S

Wobei:

  • Vdurch​: Der durchschnittliche Materialverbrauch pro Zeiteinheit (z.B. pro Tag).
  • TB​: Die Beschaffungsdauer (Lead Time) in der entsprechenden Zeiteinheit. Sie umfasst die interne Bearbeitungszeit, die Lieferzeit des Lieferanten und die Wareneingangsprüfung.
  • S: Der Sicherheitsbestand (Safety Stock), der als Puffer gegen unvorhergesehene Schwankungen im Verbrauch oder in der Beschaffungsdauer dient.

Die Bestimmung des Sicherheitsbestands (S) erfolgt oft mithilfe statistischer Methoden, basierend auf der Varianz des Verbrauchs und der gewünschten Service-Level-Quote (z.B. 95 % Lieferbereitschaft). Je höher die Unsicherheit in der Nachfrageprognose oder der Lieferzeit ist, desto höher muss S angesetzt werden.

Organisatorische und Prozessuale Integration

Organisatorisch ist der Bestellzeitpunkt eng mit modernen Warenwirtschafts- und Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Systemen verknüpft. Diese Systeme überwachen kontinuierlich den aktuellen Lagerbestand:

  • Systemgestützte Überwachung: Der aktuelle verfügbare Bestand wird nach jedem Abgang automatisch mit dem im System hinterlegten Bestellzeitpunkt verglichen.
  • Automatisierte Auslösung: Sobald der Bestand den definierten Bestellzeitpunkt unterschreitet (oder diesen erreicht), generiert das ERP-System entweder automatisch eine Bestellvorschlag (Disposition) oder löst direkt eine Bestellung in der definierten Bestellmenge aus.
  • Dynamische Anpassung: In hochentwickelten Systemen wird der Bestellzeitpunkt nicht statisch festgelegt. Er wird periodisch (z.B. monatlich) anhand aktualisierter Verbrauchsdaten, neuer Lieferzeiten oder geänderter Service-Level-Ziele dynamisch neu berechnet und angepasst. Dies ist notwendig, um auf saisonale Schwankungen oder Veränderungen in der Lieferantenperformance reagieren zu können.

Die korrekte Anwendung des Bestellzeitpunktprinzips trägt maßgeblich zur Optimierung der Lagerhaltung bei, indem sie Lagerkosten (durch Vermeidung unnötig hoher Bestände) reduziert und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit durch hohe Lieferfähigkeit sichert.



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