Bestellbestand
Der Bestellbestand (häufig präziser als Meldebestand oder Reorder Point bezeichnet) ist eine zentrale logistische Kennzahl in der verbrauchsorientierten Bestandsführung und Materialwirtschaft. Er repräsentiert jenen definierte Lagerbestandsniveau, bei dessen Erreichen oder Unterschreiten durch den laufenden Materialverbrauch der Anstoß für die Auslösung des Nachschubes gegeben wird, um die Versorgungssicherheit bis zur Ankunft der neuen Lieferung zu gewährleisten.
Technische Aspekte der Berechnung
Die korrekte Berechnung des Bestellbestandes ist ein technischer Kernprozess in jedem ERP-System und Lagerverwaltungssystem (LVS). Die Formel zur Bestimmung des Bestellbestandes (BBestell) ist ein entscheidender Parameter zur Verhinderung von Fehlbeständen (Out-of-Stock-Situationen).
Bestellbestand=(Durchschnittlicher Verbrauch pro Zeiteinheit×Wiederbeschaffungszeit)+Sicherheitsbestand Shutterstock
- Verbrauch: Der durchschnittliche Tagesverbrauch (oder der Verbrauch während der Wiederbeschaffungszeit) wird entweder verbrauchsorientiert (basierend auf historischen Werten) oder bedarfsgesteuert (basierend auf der Produktionsplanung) ermittelt. Bei der verbrauchsorientierten Methode wird meist ein gleitender Mittelwert technisch herangezogen.
- Wiederbeschaffungszeit (Beschaffungszeit): Dies ist die kritischste Zeitgröße und umfasst die gesamte Zeit von der Bestellauslösung bis zur Einlagerung der Ware in den Verfügten Bestand.
- Sicherheitsbestand (Safety Stock): Der Sicherheitsbestand ist ein geplanter Puffer. Er ist rechnerisch notwendig, um unvorhergesehene Abweichungen von der durchschnittlichen Wiederbeschaffungszeit und/oder dem durchschnittlichen Verbrauch (Schwankungsrisiko) abzufangen. Seine Höhe wird oft statistisch über die Standardabweichung des Verbrauchs bestimmt, um ein definiertes Service Level (z.B. 95% Lieferbereitschaft) zu erreichen.
Organisatorische Aspekte und Dispositionsverfahren
Organisatorisch ist der Bestellbestand das fundamentale Kriterium für die Anwendung von Bestellpunktverfahren im Rahmen der Beschaffungslogistik.
- Auslösemechanismus: Der Bestellbestand definiert den Bestellpunkt. Sobald der aktuelle Verfügte Bestand diesen Punkt unterschreitet, generiert das ERP-System automatisch eine Bestellanforderung. Dies stellt eine automatisierte, reaktive Steuerung des Materialflusses dar.
- Kapitalbindung vs. Versorgungssicherheit: Organisatorisch stellt der Bestellbestand einen Kompromiss dar: Ein höherer Bestellbestand (d.h. höherer Sicherheitsbestand) reduziert das Risiko eines Fehlbestandes (hohe Lieferbereitschaft), führt aber zu höherer Kapitalbindung und Lagerhaltungskosten.
- Klassifizierung (ABC/XYZ): Die Höhe des Bestellbestandes wird im Rahmen der ABC/XYZ-Analyse differenziert festgelegt. Für C-Artikel (geringer Wert, konstanter Verbrauch - CX) kann ein einfacher, hoher Bestellbestand akzeptabel sein, während A-Artikel (hoher Wert) eine engere, präzisere Steuerung benötigen, um die Kapitalbindung zu minimieren.
- Überwachung: Die Disposition muss organisatorisch sicherstellen, dass der Bestellbestand regelmäßig geprüft und angepasst wird, da sich die zugrundeliegenden Parameter (Wiederbeschaffungszeit durch Lieferantenwechsel, Verbrauch durch neue Produkte) dynamisch ändern können.
Der Bestellbestand ist der operative Trigger, der die Kette des Nachschubes in Gang setzt.
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