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Bestandsreichweite

Die Bestandsreichweite (engl. Inventory Coverage oder Days of Supply) ist eine zentrale logistische Kennzahl, die die relative Höhe des aktuellen Bestandes in Relation zum voraussichtlichen zukünftigen Verbrauch misst. Sie gibt die Anzahl der Tage (oder Wochen/Monate) an, für die der aktuelle, physisch vorhandene Bestand eines Materials oder Artikels ausreicht, um den existierenden oder prognostizierten Bedarf zu decken.

Technische Aspekte der Berechnung und Messung

Die Berechnung der Bestandsreichweite ist ein technischer Rechenprozess, der die Verknüpfung des Lagerbestandes (Ist-Zustand) mit der Bedarfsprognose (Soll-Zustand) erfordert. Die Reichweite wird in der Regel vom ERP-System oder dem Lagerverwaltungssystem (LVS) dynamisch berechnet und ist ein entscheidender Parameter in der Disposition.

Bestandsreichweite (in Tagen)=Durchschnittlicher TagesverbrauchAktueller Bestand​

  • Aktueller Bestand: Als Zähler wird typischerweise der Verfügte Bestand (freier, nicht reservierter Bestand) verwendet. Eine präzisere Berechnung kann auch den Sicherheitsbestand ausschließen, um die tatsächlich liquidierbare Reichweite zu ermitteln.
  • Durchschnittlicher Tagesverbrauch (Nenner): Dieser kann auf zwei technische Weisen ermittelt werden:
    • Vergangenheitsorientiert: Basierend auf dem historischen Verbrauch (z.B. Durchschnitt der letzten 30 Tage). Dies ist typisch für verbrauchsorientierte Dispositionsverfahren.
    • Zukunftsbezogen (Prognose): Basierend auf den geplanten Bedarfen aus der Produktionsplanung oder den bestätigten Kundenaufträgen. Dies ist präziser für bedarfsgesteuerte Verfahren.
  • Dynamische Reichweite (Coverage Profile): Bei komplexen Systemen wird die Reichweite nicht nur als statischer Wert berechnet, sondern als dynamisches Profil über einen Planungshorizont dargestellt. Dies visualisiert, an welchem zukünftigen Zeitpunkt der Bestand voraussichtlich den Meldebestand oder Null erreicht.
  • Maßeinheit: Die Reichweite kann in Tagen, Wochen oder Monaten angegeben werden, wobei Tage die feinste technische Messgröße darstellen.

Organisatorische Aspekte und Dispositionssteuerung

Organisatorisch ist die Bestandsreichweite der zentrale Key Performance Indicator (KPI), der die Notwendigkeit und den Zeitpunkt einer Nachbestellung steuert. Sie dient der Risikobewertung und der Kapitalbindungskontrolle.

  • Nachbestellauslösung: Das Unterschreiten einer strategisch definierten Zielreichweite löst im ERP-System eine Bestellanforderung aus. Die Zielreichweite ist dabei oft gleich oder größer als die Wiederbeschaffungszeit des Artikels, um einen Fehlbestand zu vermeiden.
  • Risikomanagement: Eine zu geringe Reichweite signalisiert ein hohes Versorgungsrisiko (Gefahr des Out-of-Stock). Eine zu hohe Reichweite signalisiert unnötige Kapitalbindung und erhöhte Lagerhaltungskosten (Gefahr der Überalterung). Die Optimierung der Reichweite ist ein fortlaufender Kompromiss.
  • Klassifizierung (ABC/XYZ): Die Beschaffungsstrategie legt organisatorische Zielkorridore für die Bestandsreichweite fest, die nach der Artikelklassifizierung (z.B. A-Artikel vs. C-Artikel) differieren. Hochwertige A-Artikel sollten tendenziell eine geringere Reichweite aufweisen, um die Kapitalbindung zu minimieren.
  • Kennzahl zur Engpassanalyse: Die Reichweite ist ein wichtiges Werkzeug im Engpassmanagement, um frühzeitig zu identifizieren, welche Materialien in naher Zukunft die Produktionsfähigkeit gefährden könnten.

Die Bestandsreichweite übersetzt den statischen Lagerwert in eine zeitliche, planbare Größe.



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