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Bestand

Bestand (oder Lagerbestand, engl. Inventory/Stock) bezeichnet in der Materialwirtschaft und Logistik die Menge eines bestimmten Artikels, Materials oder Erzeugnisses, die sich zu einem definierten Zeitpunkt an einem festgelegten Lagerort (z.B. Lager, Fertigungslinie oder Verkaufsfläche) befindet. Er dient als Puffer zwischen nicht synchronisierten Prozessen (wie Beschaffung, Produktion und Absatz) und ist eine zentrale Kennzahl für die Kapitalbindung und die Lieferbereitschaft eines Unternehmens.

Organisatorische Aspekte und Bestandsfunktionen

Organisatorisch ist der Bestand ein strategisches Instrument zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit und zur Entkopplung der Wertschöpfungskette. Die gezielte Steuerung der Bestände ist das primäre Ziel der Bestandsführung.

  • Pufferfunktion: Der Bestand überbrückt zeitliche Diskrepanzen zwischen Angebot (Lieferant, Produktion) und Nachfrage (Kunde, Fertigung). Er puffert Schwankungen im Verbrauch (XYZ-Artikel) und in der Beschaffungszeit des Lieferanten.
  • Wirtschaftliche Bestandsarten: Organisatorisch unterscheidet man Bestandsarten nach ihrer Funktion:
    • Sicherheitsbestand (Mindestbestand): Ein geplanter Puffer, der unvorhergesehene, extreme Verbrauchsschwankungen oder verlängerte Wiederbeschaffungszeiten abfedern soll.
    • Meldebestand: Diejenige Menge, bei deren Unterschreitung ein Nachschubprozess oder eine Bestellung ausgelöst wird.
    • Eiserner Bestand: Die absolute Mindestmenge, die nicht unterschritten werden darf, um eine Betriebsfähigkeit zu garantieren.
    • Zyklusbestand: Der Teil des Bestandes, der dem regulären Verbrauch zwischen zwei Bestellungen dient.
  • Kapitalbindung: Aus organisatorisch-ökonomischer Sicht repräsentiert der Bestand gebundenes Kapital (Working Capital). Die Minimierung des Bestandes unter Einhaltung der gewünschten Lieferbereitschaft ist ein zentrales Ziel. Dies wird durch die Berechnung der Umschlagshäufigkeit überwacht.

Technische Aspekte und Bestandsführung

Technisch erfordert die präzise Verwaltung des Bestandes ein leistungsfähiges Lagerverwaltungssystem (LVS) oder ERP-System, das die Bestandstransparenz und Echtzeitverfügbarkeit garantiert.

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  • Bestandskennzeichnung: Jeder Artikel im Bestand muss eine eindeutige Identifikation besitzen (z.B. GTIN, interne Artikelnummer). Die physische Menge wird in definierten Lagereinheiten (Palette, Verpackungseinheit (VE), Kleinladungsträger (KLT)) geführt.
  • Bestandsarten im System: Das LVS unterscheidet technisch zwischen verschiedenen Bestandsstatus:
    • Verfügter Bestand (Freier Bestand): Die Menge, die sofort entnommen werden kann (nach Abzug von Sperrungen und Reservierungen).
    • Gesperrter Bestand: Mengen, die wegen Qualitätsmängeln, Retouren oder Prüfungen temporär nicht verfügbar sind.
    • Reservierter Bestand: Mengen, die fest für bestimmte Kunden- oder Produktionsaufträge eingeplant sind.
  • Inventur und Bestandsgenauigkeit: Die organisatorische und technische Herausforderung besteht in der Gewährleistung einer hohen Bestandsgenauigkeit. Dies wird durch laufende technische Überwachung und periodische oder permanente Inventurverfahren (z.B. Stichtagsinventur, permanente Inventur) erreicht.
  • Prognosemodelle: Die Festlegung der Soll-Bestandshöhe basiert auf technischen Prognosemodellen, die entweder verbrauchsorientiert (basierend auf historischen Werten) oder bedarfsgesteuert (basierend auf zukünftigen Aufträgen) arbeiten.

Der Bestand ist der physische Indikator für die logistische Performance eines Unternehmens.



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