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anschlagen (crimpen)

Das Anschlagen oder Crimpen ist ein hochpräziser elektromechanischer Fügeprozess zur Herstellung einer dauerhaften, gasdichten und elektrisch leitfähigen Verbindung zwischen einem elektrischen Leiter (meist Litzendraht) und einem Kontaktteil (z.B. einem Kabelschuh oder Steckerkontakt). Die Verbindung wird durch eine gesteuerte, plastische Kaltschweißung der Materialien mittels massiver metallischer Verformung hergestellt.

Anschlagen (Crimpen) – Ausführliche technische und organisatorische Aspekte

Das Crimpen hat sich in der modernen Elektro- und Elektronikfertigung gegenüber dem Löten als Standardverbindungstechnik durchgesetzt, da es eine höhere Zuverlässigkeit, Reproduzierbarkeit und mechanische Festigkeit bietet. Der Prozess ist technisch anspruchsvoll, da er eine perfekte Interaktion zwischen Leiter, Kontakt und Werkzeug erfordert, um die geforderten elektrischen und mechanischen Eigenschaften zu erreichen.

Technische Funktionsweise und Qualitätsmerkmale

Der Crimpvorgang basiert auf der Komprimierung der Leiterlitzen und des Kontakts im Crimprozess, um eine definierte, gasdichte Verbindung herzustellen:

  • Plastische Verformung: Das Kernprinzip ist die Reduzierung des Volumens der Litzen und des Kontakts im Bereich der Crimpzone durch den Druck der Matrize und des Stempels. Diese metallische Verformung führt zur Zerstörung der Oxidschichten auf den Oberflächen von Litzen und Kontaktmaterial. Der entstehende Fließdruck bewirkt eine Kaltverschweißung der reinen Metallflächen, was die geforderte gasdichte Verbindung schafft.
  • Zwei Crimpzonen: Ein qualitativ hochwertiger Crimp besteht technisch aus zwei getrennten Bereichen:
    • Leitercrimpzone: Umfasst die Verbindung von Leiter und Kontakt. Diese Zone ist für die elektrische Leitfähigkeit und die mechanische Zugfestigkeit verantwortlich.
    • Isolationscrimpzone: Umfasst die Verbindung mit der Isolation des Kabels. Diese Zone dient der Zugentlastung und schützt die Leitercrimpzone vor mechanischer Beanspruchung.
  • Technische Messgrößen: Die Qualität eines Crimps wird technisch über mehrere Parameter definiert und überwacht:
    • Crimp-Höhe (CH): Die entscheidende Messgröße, die den Grad der Verpressung und damit die Leitfähigkeit direkt bestimmt.
    • Zugfestigkeit: Die mechanische Kraft, die benötigt wird, um den Leiter aus dem Kontakt zu ziehen (oft in N oder kN spezifiziert).
    • Elektrischer Widerstand: Muss stabil und nahe dem Wert des reinen Leiters liegen.

Organisatorische und Prozessuale Steuerung

Organisatorisch ist das Crimpen ein hochautomatisierter Prozess, der strenge Überwachung erfordert:

  • Werkzeugmanagement: Die präzise Geometrie des Crimp-Werkzeugs (Matrize und Stempel) ist der technische Schlüssel zur Qualität. Organisatorisch muss ein strenges Werkzeugmanagement existieren, das die Kalibrierung, Wartung und regelmäßige Überprüfung der Werkzeuggeometrie sicherstellt, da Verschleiß die Crimp-Höhe verändert.
  • Automatisierung: In der industriellen Fertigung erfolgt das Anschlagen auf Voll- oder Halbautomaten. Diese Maschinen integrieren Ablängen, Abisolieren und Crimpen in einem schnellen Prozess.
  • Qualitätsüberwachung: Moderne Maschinen nutzen Crimp-Kraftüberwachungssysteme. Technisch wird während des Crimp-Vorgangs der Kraft-Weg-Verlauf gemessen und mit einem Referenzwert verglichen. Abweichungen können auf fehlerhafte Litzendicke, falsche Werkzeugposition oder Fremdkörper hinweisen und führen zum Ausschleusen des Kontakts (Fehlererkennung in Echtzeit).
  • Rückverfolgbarkeit (Traceability): Organisatorisch muss jeder gefertigte Crimp (insbesondere in kritischen Sektoren wie Automotive) einer Charge und dem verwendeten Werkzeug zugeordnet werden, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.



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