Überbetriebliche Logistik
Die Überbetriebliche Logistik umfasst sämtliche Logistik-Tätigkeiten und Prozesse, die zwischen zwei oder mehreren rechtlich selbstständigen Unternehmen koordiniert, geplant und durchgeführt werden. Sie bildet die Grundlage für die Supply-Chain-Optimierung und die Steigerung der Gesamteffizienz im Wertschöpfungsnetzwerk.
Technische Aspekte der Überbetrieblichen Logistik
Die technische Herausforderung der Überbetrieblichen Logistik liegt in der Integration heterogener IT-Systeme und der Standardisierung von Prozessen und Schnittstellen über Unternehmensgrenzen hinweg. Der Fokus liegt auf dem reibungslosen Austausch von physischen Gütern und digitalen Informationen.
- Systemintegration und EDI: Eine technische Voraussetzung ist der Elektronische Datenaustausch (EDI) zwischen den ERP-Systemen des Lieferanten, des Logistikdienstleisters und des Kunden. Dies gewährleistet die automatische Übermittlung von Bestelldaten, Advanced Shipping Notices (ASN), Bestandsmeldungen und Abrechnungsdaten.
- Standardisierung von Ladungsträgern: Die Nutzung von standardisierten Transporthilfsmitteln (THM) wie der Europalette oder ISO-Containern ist technisch essenziell, um einen reibungslosen Umschlag (Transshipment) und Transport in der Transportkette zwischen den Partnern zu gewährleisten.
- Konsolidierung und Transportnetzwerke: Technisch optimiert die Überbetriebliche Logistik die Transportkapazität durch die Bündelung von Sendungen mehrerer Unternehmen. Dies erfordert hochentwickelte Transportnetze und die Nutzung von zentralen Transitterminals für den schnellen Cross-Docking-Prozess.
- Gemeinsames Tracking & Tracing: Die gesamte Lieferkette muss durch ein einheitliches System zur Sendungsverfolgung abgebildet werden. Dies erfordert technische Standards zur eindeutigen Identifikation (z.B. GS1-Standards) über alle beteiligten IT-Plattformen hinweg.
Organisatorische Aspekte und Kooperationsformen
Organisatorisch ist die Überbetriebliche Logistik durch ein hohes Maß an Kooperation, Vertrauen und vertraglicher Fixierung der Prozesse und Verantwortlichkeiten gekennzeichnet. Sie umfasst verschiedene Modelle der Zusammenarbeit.
- Outsourcing an Dritte (3PL/4PL): Die Beauftragung von Drittlogistikdienstleistern (3PL) ist die häufigste organisatorische Form. Der Dienstleister übernimmt die Verantwortung für die TUL-Prozesse und fungiert als organisatorische Schnittstelle zwischen den Unternehmen. Ein Viertlogistikdienstleister (4PL) geht noch weiter und managt die gesamte Supply Chain des Kunden, einschließlich der Koordination anderer 3PLs.
- Kooperationsmodelle:
- Vendor Managed Inventory (VMI): Der Lieferant (Vendor) übernimmt die organisatorische Verantwortung für die Bestandsführung und Bestückung des Lagers seines Kunden, was eine enge Abstimmung der Turn Rate und der Bestellrhythmen erfordert.
- Joint Distribution: Mehrere Unternehmen nutzen ein gemeinsames Distributionsnetzwerk oder einen gemeinsamen Fuhrpark, um die Transportkosten zu senken und die Auslastung zu erhöhen.
- Risiko- und Haftungsmanagement: Organisatorisch muss die Haftungsübergabe (Eigentum, Gefahr, Kosten) an den physischen Schnittstellen (z.B. EXW, FOB nach Incoterms) exakt geregelt werden. Die logistischen Risiken wie Transportschäden und Lieferverzögerungen müssen durch klare Verantwortlichkeiten und Versicherungen abgedeckt sein.
- Strategische Relevanz: Die Überbetriebliche Logistik hat strategische Bedeutung für die Erzielung von Skaleneffekten und die Verbesserung des Kundenservice durch schnellere und zuverlässigere Lieferungen.
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